Marcus Heyn

Sexualpädagogik im Kreuzfeuer (PDF-E-Book)

Der Sexualkunde-Atlas 1969 und die Kritik an schulischer Aufklärung

Cover Sexualpädagogik im Kreuzfeuer (PDF-E-Book)

EUR 64,99

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Buchreihe: Angewandte Sexualwissenschaft (ISSN: 2367-2420)

Verlag: Psychosozial-Verlag

563 Seiten, PDF-E-Book

1. Auflage 2022

ISBN-13: 978-3-8379-7862-9, Bestell-Nr.: 7862

DOI: https://doi.org/10.30820/9783837978629
Der Sexualkunde-Atlas von 1969 war das erste Aufklärungsbuch für den schulischen Unterricht in der Bundesrepublik. An ihm entzündete sich ein vielstimmiger und mit Heftigkeit geführter Diskurs um die Frage nach sexualpädagogischer Aufklärung. Diese Debatte war von Argumentationsmustern geprägt, die sich auch in aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Formen und Orte sexueller Bildung zeigen.

Marcus Heyn untersucht den damaligen gesellschaftlichen Diskurs um sexuelle Bildung und zeigt, wie Akteur:innen und Materialien kontinuierlich zum Spielball politisch-ideologischer Kämpfe geraten. Mit seiner diskursanalytischen Untersuchung leistet er einen Beitrag zur Auseinandersetzung um Aufklärungsmaterialien in der BRD, der viele charakteristische Details zutage fördert, die es erlauben, nach Kontinuitäten in den heutigen Auseinandersetzungen zu fragen.

Inhaltsverzeichnis

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1 Vorspiel
1.1 Sexualpädagogik als Herausforderung
1.1.1 Die Pädagogisierung der Sexualität
1.1.2 Begriffliche Einordnung des sexualpädagogischen Feldes
1.1.3 Die Normierung des sexualpädagogischen Diskurses
1.1.4 Herausforderungen für die Sexualpädagogik
1.1.5 Sexualitätsbegriffe
1.1.6 Kindliche Sexualität
1.1.7 Die Genese von Forschungsfrage und Forschungsdesign

1.2 Sexualität und Sprache im Fokus der Diskursforschung
1.3 Diskursverständnis
1.3.1 Diskurstheoretische Positionierung
1.3.2 Diskursbegriff
1.3.3 Verschränkung von Diskurs- und Dispositivforschung
1.3.4 Die Ordnung der Diskurse
1.3.5 Die Durchsetzung von Bedeutung
1.3.6 Äquivalenz und Differenz

1.4 Medientheoretische Betrachtungen
1.4.1 Öffentlichkeit und Journalismus
1.4.2 Der Begriff der Massenmedien
1.4.3 Die Funktion der Massenmedien
1.4.4 Faktuale Texte als Untersuchungsgegenstand

1.5 Korpusbildung
1.6 Analyseschritte und -instrumente
1.6.1 Einzeltextanalyse
1.6.2 Narrative und argumentative Struktur
1.6.3 Synoptische Analyse

2 Historische Kontextualisierung
2.1 Die Diskursarena: Presse und Printmedien am Ende der 1960er Jahre
2.1.1 Strukturierung der bundesrepublikanischen Presselandschaft
2.1.2 Die Medienlandschaft in den »langen 60er Jahren«

2.2 Das Diskursfeld: Die Anfänge bundesrepublikanischer Aufklärung
2.2.1 Die sexualpolitische Programmatik Strobels
2.2.2 Die KMK-Empfehlungen zur Sexualerziehung in den Schulen
2.3 Der Corpus Delicti: Diskursanalytische Einordnung des Sexualkunde-Atlas
2.3.1 Das Layout
2.3.2 Die inhaltliche Konzeption
2.3.3 Textgestaltung und -aussagen
2.3.4 Die Bildsprache
2.3.5 Verortung im öffentlichen Aufklärungsdiskurs der BRD
2.3.6 Die Normalisierung der Autosexualität
2.3.7 Die Ausblendung kindlicher Sexualität


3 Feinanalyse der Printmedien und Diskursfragmente
3.1 Der Diskurs im Nachrichtenmagazin Der Spiegel
3.1.1 Der institutionelle Rahmen
3.1.2 Reimut Reiche: »Zeugung ist Ordnung« (7. Juli 1969)
3.1.3 o. A.: »Aufklärung/Sexualkunde-Atlas: So einfach« (29. September 1969)
3.1.4 Die Interpretation des Diskurses im
Spiegel
3.2 Der Diskurs in der Frankfurter Rundschau
3.2.1 Der institutionelle Rahmen
3.2.2 Ingeborg Jahn: »Viele Rechenbücher – nur ein Sex-Atlas« (11. Juni 1969)
3.2.3 Die Interpretation des Diskurses in der
FR
3.3 Der Diskurs in der Wochenzeitung Die Zeit
3.3.1 Der institutionelle Rahmen
3.3.2 Marion Schreiber: »Aufklärung ohne Scheu« (20. Juni 1969)
3.3.3 Inga Wex: »Grobe und harte Mittel« (18. Juli 1969)
3.3.4 Erna Stahl: »Eros bleibt auf der Strecke« (18. Juli 1969)
3.3.5 Die Interpretation des Diskurses in der
Zeit
3.4 Der Diskurs in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
3.4.1 Der institutionelle Rahmen
3.4.2 Carl Schopen: »Sexualaufklärung für Schüler und Erziehungsberechtigte« (11. Juni 1969) 189
3.4.3 Helene Rahms: »Wer mag da noch lieben? Sexualkunde in der Klempner-Sprache« (24. Juni 1969)
3.4.4 Hans Dahs: »Geschlechtserziehung im Parterre« (3. Juli 1969)
3.4.5 o. A.: »Sexualkunde-Atlas. Kritik durch das Familienministerium« (17. Juli 1969)
3.4.6 Otfried Lieberknecht: »Sollen die Schulen sexuell aufklären?« (19. Juli 1969)
3.4.7 Die Interpretation des Diskurses in der
FAZ
3.5 Der Diskurs in der Süddeutschen Zeitung
3.5.1 Institutioneller Rahmen
3.5.2 Jörg Drews: »Der Atlas« (1. Juli 1969)
3.5.3 Die Interpretation des Diskurses in der
SZ
3.6 Der Diskurs in der Tageszeitung Die Welt
3.6.1 Institutioneller Rahmen
3.6.2 Bernd Nellessen: »Ein Sexualkunde-Atlas soll den Schülern alles über Mann und Frau sagen« (14. Juni 1969)
3.6.3 Bernd Nellessen: »Sexualkunde – keine Zoologie« (16. Juni 1969)
3.6.4 Hans Arthur Stieler von Heydekampf: »Der Sexual-Atlas und seine Folgen« (30. Juni 1969)
3.6.5 Leonhard Stits-Ulriel: »Ein großer Durchbruch« (30. Juni 1969)
3.6.6 Dr. Hans Müller: »Eine jugendgefährdende Schrift?« (30. Juni 1969)
3.6.7 Benedicts von Bitter: »Ethische Mängel« (30. Juni 1969)
3.6.8 Johannes Fischer: »Aufgabe der Eltern« (30. Juni 1969)
3.6.9 K. Philip: »Die juristische Seite« (30. Juni 1969)
3.6.10 Hubert Köppinger, Klaus Limburg, Gottfried Hau, Franz Ebert, Frank Redder, Klaus Trier: »Das Laster wird zur Norm erhoben« (30. Juni 1969)
3.6.11 Loise Kerber: »Mit zoologischer Brutalität« (30. Juni 1969)
3.6.12 Horst Rumpf: »Freud wurde von den Verfassern des Sexual-Atlas nicht gefragt« (2. Juli 1969)
3.6.13 Die Interpretation des Diskurses in der
Welt
3.7 Der Diskurs in Bild und Bild am Sonntag
3.7.1 Institutioneller Rahmen
3.7.2 Martin Klaus Keune: »Der Sex-Atlas entzweit die Ministerinnen« (20. Juli 1969)
3.7.3 H. W. Lenhard, H. Görne, Martin Klaus Keune: »Der Sex-Atlas wurde über Nacht zum Bestseller – aber seine Kritiker sind sich einig: Minister Strobel vergaß die Liebe« (3. August 1969)
3.7.4 Die Interpretation des Diskurses in der
Bild am Sonntag

4 Synopse: Analyse und Interpretation des Mediendiskurses
4.1 Die Stimmen im Diskurs
4.1.1 Geschlecht
4.1.2 Alter
4.1.3 Parteimitgliedschaft
4.1.4 Konfession
4.1.5 Berührungspunkte mit Sexualpädagogik

4.2 Stilistische Textmerkmale
4.2.1 Informationsbetonte Texte
4.2.2 Meinungsbetonte Texte
4.2.3 Textsortenübergreifende Merkmale

4.3 Vermittlungsstrategien
4.3.1 Die Bedeutung der Metapher im Diskurs
4.3.2 Die Prädikation des Gezeigten durch Wortfelder der Abscheu

4.4 Argumentationsstrategien
4.4.1 Dramatisierung der Narration
4.4.2 Vereinfachungen und Verallgemeinerungen
4.4.3 Die Diffamierung als etablierte Argumentationsstrategie

4.5 Die Einbettung der Propositionen in Topoi, Narrative und Diskurse
4.5.1 Kritik am Sexualkunde-Atlas als Ausdruck des Streites um die Natur des Sex
4.5.2 Die agonalen Zentren im Diskurs
4.5.3 Die fortgesetzte Entsexualisierung des Kindes
4.5.4 Die diskursive (Re-)Produktion der sexuell gefährdeten Kindheit und Jugend
4.5.5 Relikte des Anti-Onanie-Diskurses


5 Nachspiel
5.1 Rückblick: Das öffentliche Streiten um den Sexualkunde-Atlas 1969
5.1.1 Die Performativität des Diskurses
5.1.2 Die Verschränkung des Mediendiskurses mit weiteren Diskurssträngen
5.1.3 Der
Sexualkunde-Atlas als bevölkerungspolitisches Projekt
5.2 Weitblick: Nachfolgende Auseinandersetzungen um Aufklärungsmaterialien
5.2.1 Zwischen Liberalisierung und sexueller Panik – der Diskurs um Muß-Ehen muß es nicht geben
5.2.2 Sexualpolitik der »Konservativen Wende« – der Diskurs um
betrifft: sexualität
5.2.3 Der Diskurs um
Let’s talk about Sex in der HIV-Krise
5.3 Ausblick: Die ständige Sorge um die bedrohte Nation
5.3.1 Das Hofieren rechter Kulturkritik im Diskurs um Körper, Liebe, Doktorspiele
5.3.2 Re-Normierung von Sexualität im Diskurs um
Sexualpädagogik der Vielfalt
5.3.3 Anregungen zum Schluss


Literatur

Anhang: Einzeltexte des konkreten Korpus

Rezensionen

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Socialnet.de am 6. November 2023

Rezension von Uwe Sielert

»Die Studie von Marcus Heyn kann als Meilenstein in der medien- und sexualpädagogischen Diskursforschung bezeichnet werden. Sie kontextualisiert den Sexualkunde-Atlas von 1969 in der damaligen sexualpolitischen Auseinandersetzung und kann als methodologisch anspruchsvolles Beispiel für weitere Analysen der gesellschaftlichen Resonanz sexualpädagogischer Materialien in der Öffentlichkeit dienen…«