Bundesverband Psychoanalytische Paar- und Familientherapie (BvPPF)

Psychoanalytische Familientherapie - Zeitschrift für Paar-, Familien- und Sozialtherapie

Nr. 15, 8. Jg., 2007, Heft II

Cover Psychoanalytische Familientherapie - Zeitschrift für Paar-, Familien- und Sozialtherapie

EUR 16,90

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Zeitschrift: Psychoanalytische Familientherapie

Verlag: Psychosozial-Verlag

110 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im Januar 2008

Bestell-Nr.: 729

Die Zeitschrift »Psychoanalytische Familientherapie« will zur praxisorientierten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Problemen und Konzepten der psychoanalytisch orientierten Paar- und Familientherapie beitragen. Die Zeitschrift soll ein Diskussionsforum darstellen für all diejenigen, die sich auf dem Gebiet der psychoanalytisch orientierten Paar- und Familientherapie fachlich weiterentwickeln wollen, und für Angehörige von Berufsgruppen, die in psychoanalytisch orientierter Familienberatung oder Sozialtherapie tätig sind.

Zielgruppen: Paar- und Familientherapeuten, Sozialtherapeuten, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, Psychoanalytiker sowie alle psychosozialen Berufsgruppen, die in ihrem spezifischen Arbeitsfeld mit Paaren und Familien arbeiten.

Diese Publikation enthält:

Inhaltsverzeichnis

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Mit Beiträgen von:

DEBORAH ANNA LUEPNITZ
Weihnachten im Juli

PETER MÖHRING
Wie viel Familie braucht der Mensch?

HANS-JÜRGEN WIRTH
Wie viel Vater braucht die Familie?

ELKE ROSENSTOCK-HEINZ
Die Familie in der Zerreißprobe – Die Bedeutung des Symptoms für einen unbewussten Familienkonflikt

HORST-EBERHARD RICHTER
Das Unbehagen am »Deutschen Herbst«. Zur Verarbeitung der RAF-Geschichte aus psychoanalytischer Sicht


Zusammenfassungen und Stichworte:
DEBORAH ANNA LUEPNITZ: Weihnachten im Juli
Zusammenfassung: In diesem Kapitel wird die Behandlung einer Familie geschildert, deren elfjährige Tochter mehrfach wegen unkontrollierbar hoher Zuckerwerte ins Kranken-haus eingeliefert wurde. Im Zentrum des Falles steht die häufig gestellte Frage: »Ist eine psychoanalytische Ausbildung relevant, wenn sich eine einzelne Person oder Familie auf eine Langzeitbehandlung nicht einlassen will oder kann?« Die Autorin bejaht dies. Obwohl sie in der Regel jeweils mehrere Jahre mit ihren Patienten arbeitet, zeigt ihre Therapie mit den Kaplans, wie es vor dem Hintergrund von Übertragung, Gegenübertragung, projektiver Identifikation und Widerstand möglich war, ein ausreichend verlässliches haltendes Umfeld zu schaffen, das die Entschlüsselung und Auflösung des Symptoms ermöglichte.
»Weihnachten im Juli« beleuchtet auch das Thema kultureller Unterschiede, da die Eltern – die gegenüber psychologischer Hilfe bereits skeptisch eingestellt waren – unerwartet einer Therapeutin gegenüber standen, die nicht ihrer Religionsgemeinschaft angehörte.
Stichworte: Kindertherapie, superlabile Diabetikerin, psychosomatische Faktoren, religiöser Hintergrund, Familientherapie

HANS-JÜRGEN WIRTH: Wie viel Vater braucht die Familie?
Zusammenfassung: Ausgehend von der schmerzhaft erlebten Vaterlosigkeit vieler Kriegskinder rekapituliert der Autor die psychoanalytischen Theorien zur Bedeutung des Vaters für die kindliche Entwicklung. Er zeigt, dass Freuds Überbetonung des »ödipalen Vaters« mit einer Vernachlässigung der Mutter einherging und bringt dies mit Freuds Familienbiographie in Verbindung. Der Autor verfolgt das Auf und Ab der theoretischen Gewichtungen der Eltern von Melanie Kleins Überbewertung der verinnerlichten Mutter-imago über Ranks, Ferenczis und Winnicotts Konzeptualisierung der realen Mutter bis hin zu Lacans Unterscheidung zwischen dem »realen Vater«, dem »symbolischen Vater« und dem »fantasierten Vater«. Die Vaterbilder in Bowlbys Bindungstheorie und Fonagys Men-talisierungstheorem werden ebenso diskutiert wie das Konzept der Triangulierung. Abschließend wird die sich wandelnde Vaterrolle in der Gesellschaft mit Mitscherlichs Prognose von der »vaterlosen Gesellschaft« konfrontiert.
Stichworte: Vater, Vaterlosigkeit, Familie, Eltern-Kind-Beziehung, Psychoanalyse, Scheidung, Trauma, Bindungstheorie, Mentalisierung

ELKE ROSENSTOCK-HEINZ: Die Familie in der Zerreißprobe – Die Bedeutung des Symptoms für einen unbewussten Familienkonflikt
Zusammenfassung: In der kindertherapeutischen Praxis werden häufig Kinder mit einer Auffälligkeit oder einer Störung vorgestellt, die sie, wie sich dann im gemeinsamen Famili-engespräch herausstellt, sozusagen als Beauftragter für die gesamte Familie entwickelt haben. Solche Familien nennt H.-E. Richter symptomneurotische Familien. In der Familie, deren familientherapeutische Behandlung ich im Folgenden beschreiben möchte, gab es einen sog. Symptomträger oder Indexpatienten, der mit seiner emotionalen Störung einen unbewussten Familienkonflikt zum Ausdruck brachte. Neben seiner Symptomatik bestand aber auch eine Paarproblematik der Eltern und eine Beziehungsunsicherheit, zusammen mit einer Pubertätskrise bei den zwei älteren Kindern aus der ersten Ehe des Vaters. Der gemeinsa-me unbewusste Familienkonflikt basierte auf einem oralen Thema und einer allgemeinen Trennungsangst. Aber erst die Auffälligkeiten des Symptomträgers in der Schule haben zu einer gemeinsamen Behandlung geführt.
Stichworte: Familientherapie; Patchwork-Familie; Bindungsstörung, Trennungsangst; Beziehung

HORST-EBERHARD RICHTER: Das Unbehagen am »Deutschen Herbst«. Zur Verarbeitung der RAF-Geschichte aus psychoanalytischer Sicht
Zusammenfassung: Der Autor schildert vor dem Hintergrund seiner persönlichen Er-fahrungen die Verquickung von Familiendynamik und Politik. Er geht von der Zeit des Nationalsozialismus aus, betrachtet das Verhältnis der Generationen in der Nachkriegs-zeit und behandelt dann die 68er-Revolte und ihre Verirrungen im Terrorismus der RAF. Ferner geht er den Fragen nach: Wie hat sich die Familie in diesen Jahrzehnten gewandelt? Wohin entwickelt sie sich jetzt? Wie formt die bindungslose Postmoderne die Zukunft der Familie? Wie können wir den Stärkekult einer falsch verstandenen Männlichkeit überwin-den?
Stichworte: Familie, Nachkriegszeit, Nationalsozialismus, 68er-Bewegung, Terrorismus, RAF, Männlichkeit, Stärkekult