Markus Wilken

Frühkindliche Nahrungsverweigerung

Ursachen verstehen und Behandlungswege finden

Cover Frühkindliche Nahrungsverweigerung

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Buchreihe: Neue Wege für Eltern und Kind (ISSN: 2625-1043)

Verlag: Psychosozial-Verlag

275 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

1. Aufl. 2022

Erschienen im Mai 2022

ISBN-13: 978-3-8379-3139-6, Bestell-Nr.: 3139

DOI: https://doi.org/10.30820/9783837978292
Warum verweigert ein Säugling oder Kleinkind die Nahrung? Warum kommt es zur künstlichen Ernährung und wann bleibt diese bestehen? Was geht in einem Kind vor, wenn es sich von der Flasche oder dem Löffel abwendet? Hinter diesen Symptomen verbirgt sich eine komplexe Entwicklungsdynamik, die von einer nährenden Beziehung zur Nahrungsaversion führt. Aus dieser können lang anhaltende Fütterstörung und Sondendependenz entstehen. Das Verständnis der Entwicklung zur Nahrungsaversion in ihrer Komplexität ermöglicht es, gemeinsam mit dem Kind einen neuen Entwicklungspfad einzuschlagen.

Markus Wilken führt die Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften, Entwicklungswissenschaften, Psychodynamik und der Pädiatrie zusammen, um die Entwicklungsdynamik der Nahrungsaversion verständlich zu machen. So gewinnen Fachleute aus Psychotherapie, Logopädie, Kinderheilkunde, Physiotherapie und verwandten Fachrichtungen Einblicke in therapeutische Möglichkeiten für eine effektive Behandlung von Fütterstörung und Sondendependenz.

Inhaltsverzeichnis

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Einleitung: In aller Munde

I Die Entwicklung der Oralität

1 Nahrung, Oralität und die Entwicklung des Kindes
1.1 Sigmund Freud: Wie alles begann
1.2 Freuds orale Phase
1.3 Die Psychoanalyse nach Freud: Zeit der Hypothesen
1.4 Katerstimmung: Der Verlust der Oralität
1.5 Bindungstheorie: Sicherheit statt Triebe

2 Die Entwicklung des Essverhaltens
2.1 Die Bedeutsamkeit frühkindlicher Erfahrungen
2.2 Erste Phase: Pränatale Entwicklung
2.3 Zweite Phase: Stillen und vollständige Milchernährung
2.3.1 Beginnende interaktive Regulierung
2.3.2 Oralität und Körperkontakt

2.4 Dritte Phase: Beikost (fünfter bis siebter Lebensmonat)
2.4.1 Affekterleben und Füttern
2.4.2 Haltende Beziehung und Füttern

2.5 Vierte Phase: Festere Nahrung, die gekaut werden muss (sechster bis zwölfter Lebensmonat)
2.5.1 Der aktive Säugling
2.5.2 Die familiären Beziehungen

2.6 Geht es nicht ohne Oralität?

II Die frühkindliche Nahrungsverweigerung

3 Nahrungsverweigerung – Störung mit Geschichte
3.1 Symptome gestörten Essverhaltens
3.1.1 Geringer Appetit
3.1.2 Verweigerung festerer Kost bzw. selektive Nahrungsaufnahme
3.1.3 Bizarres Essverhalten
3.1.4 Nahrungsverweigerung
3.1.5 Würgen und Erbrechen
3.1.6 Essen mit Zwang
3.1.7 Schluckwiderstand und präorale Abwehr

3.2 Störung der Nahrungsaufnahme – Definitionsversuche

4 Was ist eine frühkindliche Fütterstörung?
4.1 Fütterstörung im frühen Kindesalter (ICD-10)
4.2 Avoidant Restrictive Intake Disorder (DSM-5)
4.3 Eating Behaviour Disorder: Diagnostic Classification: 0–3R
4.4 Fütterstörung: Es scheiden sich die Geister
4.4.1 Der nomothetische Ansatz
4.4.2 Der idiografische Ansatz
4.5 Was ist eine Fütterstörung?

5 Was ist Sondendependenz?
5.1 Die Sonde: Segen oder Fluch?
5.2 Die Sonde: Löst sich das Problem nicht von selbst?
5.3 Sind Sondendependenz und Fütterstörung nicht das Gleiche?
5.4 Sondendependenz definiert
5.4.1 Vollständige oder weitgehende Abhängigkeit von der Sondenernährung
5.4.2 Fehlende medizinische Indikation für eine Sondenernährung
5.4.3 Vorliegen einer ausgeprägten Störung des Essverhaltens
5.4.4 Für eine orale Ernährung ausreichende orale Motorik und Schluckfunktion
5.4.5 Wahrnehmung von Sonde und Nahrungsverweigerung als Teil des Selbst
5.4.5 Fazit: Wissen wir jetzt, was Sondendependenz ist?

III Die Entwicklungsdynamik der Nahrungsaversion

6 Wie verliert sich die Oralität?
6.1 Entwicklungspsychopathologie
6.2 Auslöser: Wie die Oralität verloren geht
6.2.1 Fehlender Entwicklungsimpuls
6.2.2 Entwicklungswiderstand
6.2.3 Traumatischer Zusammenbruch
6.2.4 Erklären die Auslöser Nahrungsaversion?


7 Das Nervensystem schlägt zurück!
7.1 Unser Nervensystem entsteht
7.2 Das vegetative Nervensystem
7.3 Das Zwischenhirn
7.3.1 Die Amygdala
7.3.2 Der Hypothalamus
7.3.3 Der Inselkortex

7.4 Der zerebrale Kortex

8 Die Polyvagal-Theorie
8.1 Sicherheit: System sozialen Engagements
8.2 Bedrohung: Flucht oder Kampf
8.3 Lebensbedrohung: Erstarrung
8.4 Wo passiert Nahrungsverweigerung?

9 Das Erleben zerfällt
9.1 Daniel Sterns Theorie des Erlebens des Säuglings
9.2 Sensomotorische Empfindungen
9.2.1 Das nährende sensomotorische Schema
9.2.2 Das sensomotorische Schema bei Nahrungsverweigerung
9.3 Visuelle Wahrnehmung und taktile Empfindungen
9.3.1 Das nährende Wahrnehmungsschema
9.3.2 Wahrnehmungsschemata bei Nahrungsverweigerung

9.4 Handlungsabfolge
9.4.1 Das nährende Handlungsschema
9.4.2 Das Handlungsschema bei Nahrungsverweigerung

9.5 Affekte und Gefühlsgestalten
9.5.1 Nährende Affekte
9.5.2 Affekte bei Nahrungsverweigerung

9.6 Die protonarrative Hülle
9.6.1 Die nährende protonarrative Hülle
9.6.2 Die protonarrative Hülle bei Nahrungsverweigerung

9.7 Das Selbsterleben des Säuglings
9.8 Der Teufelskreis ohne Ende

10 Nicht nährende Beziehungen
10.1 Die Regulation des Einen, des Anderen und das Dazwischen
10.2 Die Selbstregulation des Säuglings
10.2.1 Der irritable Säugling
10.2.2 Physiologische Deregulation
10.2.3 Traumatischer Zusammenbruch

10.2.4 Die gestörte Selbstregulation des Säuglings
10.3 Die Selbstregulation der Bezugsperson
10.3.1 Mutterschaftskonstellation und Nahrungsverweigerung
10.3.2 Nahrungsverweigerung: Ein Trauma?
10.3.3 Mentalisierung und Nahrungsverweigerung

10.4 Die interaktive Regulierung
10.4.1 Entwicklungsmechanismen
10.4.2 Ständige Regulierung: Die Integration von Selbst und interaktiver Regulierung
10.4.3 Unterbrechung und Wiederherstellung
10.4.4 Momente der Affektsteigerung
10.5 Beziehungsmuster
10.6 Epilog: Traumatische Beziehungen

11 Therapeutische Synthese: Das Wissen in die Therapie mitnehmen
11.1 Subjekt von Anfang an
11.2 Dynamik statt Symptomatik
11.2.1 Ernährungsdynamik
11.2.2 Aversionsdynamik
11.2.3 Beziehungsdynamik

11.3 Innere Interdisziplinarität

Literatur

Rezensionen

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Erziehungskunst frühe Kindheit, 3-2022

Rezension von Ulrike Schmoller

»Der Autor stellt den großen Einfluss des autonomen Nervensystems auf das Essverhalten heraus, wodurch Panikreaktionen wie Würgen bis hin zur dissoziativen Erstarrung beim Anblick von Nahrung nachvollziehbar werden. Verfestigt sich die Selbstschutzreaktion des Kindes zu einem konsistenten Verhaltensmuster, sollte bald therapeutische Unterstützung gesucht werden. Der Therapeut macht sich ein genaues Bild von der Symptomatik und versucht zu verstehen, was die Hilfesuchenden brauchen. Interdisziplinäres Wissen und Verstehen machen seine Kompetenz aus. Der Autor verweist auf gute Erfolge seiner Arbeit, was hoffnungsvoll stimmt, dass dieser komplexe Teufelskreis durchbrochen werden kann…«

Kinderanalyse, 30. Jahrgang, 4-2022

Rezension von Hans von Lüpke

»Es ist deutlich geworden, dass für Wilken bei der Nahrungsaufnahme interaktive Prozesse, wie sie in der Säuglings- und Bindungsforschung ausgearbeitet wurden, von zentraler Bedeutung sind. Bei seiner Darstellung gelingt es ihm darüber hinaus, auch Entwicklungskonzepte aus Psychoanalyse und deren Weiterentwicklung, neurobiologische Forschung und Pädiatrie zu integrieren. Berücksichtigt man die von ihm dargestellten weitreichenden Folgen einer Sondendependenz sowie deren Häufigkeit und die in seiner Praxis beobachteten Therapieerfolge, gewinnt das Thema eine Relevanz in bislang von Wissenschaft und therapeutischer Praxis noch nicht genügend wahrgenommenem Ausmaß […]. In seinem Buch gibt er hilfreiche prophylaktische und therapeutische Hinweise auf teilweise schwerwiegende, langfristige und vermeidbare Schäden bei einer bislang wenig thematisierten Problematik. Dem Buch ist daher große Verbreitung in Klinik und Praxis zu wünschen…«

www.litterula.de

Rezension von Ulrike Schmoller

»Dieses Fachbuch gibt einen Einblick in ein wenig erforschtes Gebiet, das doch ein zunehmendes Problem beleuchtet. Die ausführliche Beleuchtung der Hintergründe nimmt den größten Raum ein […]. Für einen Fachmann oder eine Fachfrau auf diesem Gebiet sollte es aber problemlos möglich sein, die vorgestellten Inhalte in die eigene Praxis zu integrieren…«