Heinz-Jürgen Voß (Hg.)

Westberlin - ein sexuelles Porträt

Cover Westberlin - ein sexuelles Porträt

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Buchreihe: Angewandte Sexualwissenschaft (ISSN: 2367-2420)

Verlag: Psychosozial-Verlag

323 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im Juli 2021

ISBN-13: 978-3-8379-3108-2, Bestell-Nr.: 3108

DOI: https://doi.org/10.30820/9783837977851
In Westberlin war immer mehr möglich – gerade in Sachen Geschlecht und Sexualität. Auch Sperrstunden und Sperrbezirke, wie in der BRD üblich, gab es hier nicht. Die interkulturell offene Stadt hatte nicht nur für Dienstreisende einen besonderen Reiz, sie war auch geprägt von alliierten Soldat*innen und von Gastarbeiter*innen. Junge Männer, die vor der Bundeswehr flohen, suchten hier Zuflucht – genau wie Menschen, die eine ausgemergelte Großstadt mit einer alternativen Kultur wollten.

Die Autor*innen eröffnen Einblicke in den Charakter dieser besonderen Stadt, wobei sie auf das Geschlechtliche und Sexuelle fokussieren. Texte und künstlerische Arbeiten fügen sich zu einem Gesamtbild, in dem individuelle Lebensentscheidungen ebenso Raum finden wie trans*, lesbischer und schwuler Aktivismus.

Mit Beiträgen von Gülşen Aktaş, Bilbo Calvez, Gérôme Castell, Jayne County, Danielle de Picciotto, Nora Eckert, Egmont Fassbinder, Carolyn Gammon, Cihangir Gümüştürkmen, Peter Hedenström, Manfred Herzer-Wigglesworth, İpek İpekçioğlu, Susann Kaiser, Manuela Kay, Wilfried Laule, Katharina Oguntoye, Jayrôme C. Robinet, Dieter Telge und Koray Yılmaz-Günay

Inhaltsverzeichnis

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Geschlecht und Sexualität im Grenzbereich
Heinz-Jürgen Voß


Eröffnungen

Warten auf die erste U-Bahn
Manuela Kay

Raus aus dem Schrank und rein in die Straßen
Peter Hedenström

»Ich habe über die türkische Community die Genderreisen schon mitbekommen, als es in Deutschland noch gar kein Thema war.«
İpek İpekçioğlu im Gespräch

Bildstrecke: Aktivismus 1972 – 1973 – 1979


Kunst – Kultur – Politik

Dykes im Kopfsteinpflaster-Kreuzberg
Carolyn Gammon im Gespräch mit Katharina Oguntoye, Redaktion: Susann Kaiser

Frauenbewegt in Berlin
Gülşen Aktaş im Gespräch

Aus den Erinnerungen einer Süd-Neuköllner Tunte
Manfred Herzer-Wigglesworth

Meine schwul-bewegten Jahre
Wilfried Laule

»Es hat mehr als eines Mannes bedurft, um Shanghai Lily zu werden.«
Egmont Fassbinder im Gespräch

HIV und Aids in Westberlin
Dieter Telge

Ein Westberlin-Märchen
Koray Yılmaz-Günay

Geniale Geneal(l)ogie: meine Spoken-Word-Vorfahr*innen
Jayrôme C. Robinet


Geschlechterräume

Hungrig nach Wirklichkeit – meine hedonistischen 70er Jahre
Erinnerungen einer Transfrau
Nora Eckert

Die Mädels der Mauerstadt
Jayne County

»Es gibt doch nichts Göttlicheres, als Berlinerin zu sein.«
Gérôme Castell im Gespräch

»Ich habe gedacht: Rassismus ist vorbei. Homophobie ist vorbei. Klassismus ist vorbei. Das ist Berlin.«
Bilbo Calvez im Gespräch

Ein sexuelles Portrait?
Cihangir Gümüştürkmen

»Diese ganzen Gender-Sachen waren irgendwie aufgelöst.«
Danielle de Picciotto im Gespräch

Rezensionen

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neues deutschland am 6. September 2021

Rezension von Ulrike Wagener

»Das Buch bietet kein konsistentes und eindeutiges Bild von Sexualität und Geschlecht in Westberlin. Aber es gibt sehr persönliche Einblicke in das jeweils eigene Porträt des Lebens in Westberlin. Und da sind die Themen nicht nur Sex, Partys und Musik, sondern auch Mieten, Arbeit und U-Bahnverkehr…«

Rosige Zeiten, Nr. 190, Herbst 2021

Rezension von Salih Alexander Wolter

»Das große Verdienst des Bandes ist es, diese Erzählung von [schwul-lesbischer] Emanzipation im umzäunten Soziotop mit zwei anderen zu flankieren und damit auch zu relativieren, die sich dort gleichzeitig abspielten – und alle drei überschnitten einander punktuell, wenn auch aus heutiger Sicht nicht genug, um gemeinsam gesellschaftsverändernd werden zu können. Parallel zur schwul-lesbischen Sichtbarwerdung kam es in Westberlin nämlich zu einer bis heute international wirksamen Selbstverständigung der trans* Community [...] Wahre Schätze einer zukunftsgewandten queeren Erinnerungskultur können so die Beitrage von Nora Eckert, Geìrôme Castell u. a. sein [...] Das Gleiche gilt für die auch literarisch bestechenden Originaltexte von DJ İpek İpekçioğlu, die das Format Gayhane mit kreierte, den ›Neuen Wilden‹ Maler, Schauspieler und Bauchtänzer Cihangir Gümüştürkmen, Gladt-Mitbegründer Koray Yılmaz-Günay, der hier seine Kindheit in einer Art Kreuzberger Niemandsland schildert, u. a., die das von ›uns‹ seinerzeit viel zu wenig beachtete Wachsen einer queermigrantischen Szene beschreiben – selbst schuld, dass wir es dafür anschließend mit ›Deutschland‹ zu tun bekamen!…«