Fridolin Mallmann

Narzissmus, Pandemie, Antisemitismus (PDF-E-Book)

Überlegungen zum Widerspruch von ödipaler Realität und narzisstischer Illusion

Cover Narzissmus, Pandemie, Antisemitismus (PDF-E-Book)

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19 Seiten, PDF-E-Book

Erschienen im November 2021

Bestell-Nr.: 22567

DOI: https://doi.org/10.30820/0941-5378-2021-2-99
In Krisenzeiten gewinnen antisemitische Theorien an Zulauf – das zeigt sich aktuell in der Covid-19-Pandemie, lässt sich aber bereits für die Pest-Pandemien des Hochmittelalters konstatieren. Die französischen Psychoanalytiker Béla Grunberger und Pierre Dessuant haben Ende der 1990er Jahre die Entstehung des Christentums als regressiv-narzisstische Reaktion darauf beschrieben, dass der jüdische Monotheismus die Menschheit der Illusion beraubte, Gott sein zu können. Die Krisenerfahrung der Pandemien und die damit permanent einhergehende Konfrontation mit der eigenen Endlichund Verletzlichkeit reaktiviert die narzisstische Kränkung, die einst durch den jüdischen Monotheismus erfahren wurde. Die Kränkung findet ihren Ausdruck bisweilen in einer individuellen wie auch kollektiven Regressionsbewegung, die den Einschränkungen der Realität durch die Rückkehr zu einem als ambivalenzund angstfrei imaginierten Urzustand entgehen will. Juden und Jüdinnen werden im Zuge dieser Regressionsbewegung als Vertreter der ödipalen Realität und somit als Hindernis auf dem Weg zum narzisstischen Urzustand wahrgenommen – im Mittelalter ebenso wie unter dem Eindruck der Corona-Krise.

Abstract:
In times of crisis, anti-Semitic theories are on the rise. This is obvious nowadays, in times of the Covid-19 pandemic; it is also true for the plague pandemics of the High Middle Ages. French psychoanalysts Béla Grunberger and Pierre Dessuant have described the birth of Christianity as a regressive and narcissistic reaction to the disillusionment created by Jewish monotheism: the latter robbed mankind of the possibility to compare itself to god. Pandemics and the experiences of crisis – i.e., the concurrent confrontation with the mortality and vulnerability of the self – reopen the narcissistic scar that was once caused by Jewish monotheism. Occasionally, this narcissistic injury is expressed in individual as well as collective forms of regression which want to escape from the pandemic constraints to an imagined original state without fear or ambivalence. This regression identifies Jews as representatives of the oedipal reality and as an obstacle to the narcissistic original state – in the Middle Ages as well as today.