Peter Brückner

Über die Rolle der Gewalt in der Konstruktion und Zerstörung sozialer Systeme (1975/76) (PDF-E-Book)

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31 Seiten, PDF-E-Book

Erschienen im Juli 2020

Bestell-Nr.: 21223

DOI: https://doi.org/10.30820/1434-7849-2019-2-16
Ausgehend von der Voraussetzung, dass dem Menschen neben einem Recht auf Leben auch Rechte auf Entwicklung, das heißt Entfaltung individueller Produktivkräfte, und auf Glück zuzusprechen sind, beschäftigt sich der Autor mit den Gefährdungen, mit denen die letzten beiden Rechte in der kapitalistisch produzierenden Gesellschaft konfrontiert sind. Diskussionen zum Thema der Gewalt bleiben häufig oberflächlich, weil sie sich auf offene Gewaltäußerungen beschränken und strukturelle Gewalt, die aus den ökonomischen Verhältnissen, staatlicher Repression und verinnerlichten Zwängen hervorgeht, ausblenden. Offene Gewalt und strukturelle Gewalt stehen in einem Ergänzungsverhältnis: Wird strukturelle Gewalt geschwächt, tritt offene Gewalt zutage, vor allem auch im zwischenmenschlichen Bereich. Zugleich werden im Beitrag aber auch den in den 1960er/70er Jahren neu aufkommenden Emanzipationsbewegungen als Anzeichen der beschriebenen Schwäche der strukturellen Gewalt gelesen. In deren gewaltfreien, dezentralen und basisdemokratischen Formen des Widerstands zeige sich ein Wandel des revolutionären Paradigmas: Anders als das klassisch-arbeitskämpferische Verständnis von Revolutionen, das auf der Annahme geschichtlicher Gesetzmäßigkeiten und Fortschrittskontinuitäten fußt, zielt das Revolutionsverständnis im Sinne der Emanzipationsbewegungen auf einen geschichtlichen Bruch, der nicht nur die Produktionsweise, sondern den gesamten Lebenszusammenhang umwälzt. Für die Emanzipationsbewegungen bestehen Gefahren in der möglichen staatlichen oder wirtschaftlichen Integration ins Bestehende, des Beschränktbleibens auf die unbedeutende Peripherie oder der Bekämpfung durch die (internationale) Konterrevolution. In der Militanz von bewaffneten Gruppen wie der RAF drückt sich einerseits Verzweiflung, aber auch die mögliche Gefahr einer revolutionären Bewegung aus: Die Implantation dessen, was sie bekämpfen will.

Abstract:
Summary: Starting from the premise that human beings should be granted not only the right to life, but also the right to development, for example the unfolding of individual productive forces, and to happiness, the author examines the dangers the last two rights are facing in a capitalist society. Discussions on the subject of violence often remain superficial, because they are limited to open expressions of violence and ignore structural violence arising from economic conditions, state repression, and internalized constraints. Open violence and structural violence complement each other: If structural violence is weakened, open violence becomes apparent, especially in the interpersonal sphere. At the same time, however, the paper also reads the newly emerging emancipation movements in the 1960s and 70s as signs of the described weakness of structural violence. In their non-violent, decentralized and grassroots-democratic forms of resistance, a change of the revolutionary paradigm becomes apparent: In contrast to the classical, work-struggle related understanding of revolution, which is based on the assumption of historical regularities and continuities of progress, the understanding of revolution in the sense of emancipation movements aims at a historical break, which not only changes the mode of production, but also the entire context of life. For the emancipation movements, there are dangers 1) in the possible state or economic integration, 2) in remaining restricted to the insignificant periphery, or 3) in the fight against the (international) counterrevolution. The militancy of armed groups such as the RAF expresses on the one hand despair, but on the other also the possible danger of a revolutionary movement: the implantation of what it wants to fight.