19. Januar 2018 (Bremen)

2018-01-19

»Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer (Goya) – der Traum der Vernunft bringt Einsichten hervor«

Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe »Sind wir im Krieg? – Zur psychosozialen Funktion des Krieges, Teil II« der Bremer Arbeitsgruppe für Psychoanalyse und Psychotherapie (BAPP).

’S IST LEIDER KRIEG! – UND ICH BEGEHRE NICHT SCHULD DARAN ZU SEIN!
Matthias Claudius, 1778

Im 18. Jahrhundert schreibt Matthias Claudius sein Kriegslied. Gloriole und Elend des Krieges werden eingerahmt durch ein »ich begehre nicht schuld daran zu sein!«, Ausdruck eines bedrängenden Verdachts, an der Geschichte der eigenen Zeit mitschuldig zu sein.

Und heute? Über sechs Jahrzehnte sind wir in Deutschland vom Krieg auf eigenem Territorium verschont geblieben. Dennoch ist Krieg allgegenwärtig, medial und emotional. Krieg und Kriegsfolgen sind in unserer Gesellschaft angekommen. In veränderter Form, globalisiert wie regionalisiert, als Hass, Terror, Drohnenkrieg, Cyberwar... sprengt er Grenzen. Grenzen überschreitend sind auch seine Folgen – über fünfzig Millionen Menschen sind auf der Flucht; ganze Staaten und Regionen sind von Verelendung und Zusammenbruch bedroht.

»Sind wir im Krieg...?« ist also eine rhetorische Frage! Nicht rhetorisch sind Fragen nach Funktionen des Krieges, nach Mitschuld und nach Verantwortlichkeiten. »Kriege werden gemacht... und um gemacht zu werden, müssen sie gewünscht sein« (Mentzos, 2002). Die Bedingungsgefüge sind komplex, eine Mischung aus ökonomischen, politischen und psychosozialen Faktoren. Die Wirkmächtigkeit unbewusster Dynamik hierbei ist unabweisbar.

Als solche beschreibt Stavros Mentzos »die Annahme einer narzisstischen Pseudo-Stabilisierung von Individuen und Gruppen (z.B. Ethnien) durch den Krieg und die Annahme eines pathologischen, kollusiven, psychosozialen Arrangements zwischen den Bedürfnissen der in den Krieg involvierten Vielen und den egoistischen Interessen samt der Psychopathologie der Machteliten...«.

In diesem Kontext verstehen wir die Vortragsreihe als Beitrag zu einem vertiefenden Verständnis »der anachronistischen Institution ›Krieg‹«.

Referent:
Prof. Dr. Wulf-Volker Lindner

Termin:
19. Januar 2018, ab 20.00 Uhr

Veranstalter:
BAPP - Bremer Arbeitsgruppe für Psychoanalyse und Psychotherapie e. V.

Veranstaltungsort:
Haus der Wissenschaft
Sandstraße 4
Bremen

Kosten:
Mitglieder der Bremer Arbeitsgruppe: 6€
Nichtmitglieder: 12€; Ermäßigt: 8€

Anmeldung und Kontakt:
E-Mail: kfoe@psib.net

Weitere Informationen und Flyer:
psychoanalyse-bremen.de

Passende Lektüre im Psychosozial-Verlag:

Krieg ist nicht unvermeidbarHenri Parens
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Zur Logik des modernen KriegesMichael Enßlen (Hg.)
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Der Band enthält Beiträge zum Phänomen der Gewalt aus psychoanalytischer Sicht: Es geht einmal um die »alte« Gewalt, die schon immer Gegenstand der psychoanalytischen Betrachtung war, nämlich um Gewalt als konstitutivem Bestandteil menschlicher Zivilisation, um offene und verborgene Gewaltaspekte der psychotherapeutischen Beziehung sowie um die sublimierende Verarbeitung von Gewaltimpulsen in der darstellenden Kunst. Die Erfahrung der »neuen« Gewalt im Gewand des Terrors in der jüngsten Vergangenheit wird einer differenzierten Analyse unterzogen. [ mehr ]

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