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Verschwörungsdenken
psychosozial (2/2020), Mischa Luy/Florian Hessel/Pradeep Chakkarath (Hgg.)


»Verschwörungstheorie« gehört zu den aktuell vieldiskutierten schillernden Begrifflichkeiten, mit denen auch Gesellschaftswissenschaften und Psychologie zunehmend umzugehen haben. In umgangssprachlicher Verwendung ist die Rede von »Verschwörungstheorien« heute fast omnipräsent: im Alltag, in der Populärkultur, in der Politik. Sie bieten Deutungs-, Ordnungs- und Erklärungsangebote, sind Grundlagen für Agitationen und bieten gelegentlich auch Unterhaltung in einer von komplexen, häufig schwer durchschaubaren Prozessen geprägten globalisierten Gesellschaft.

»Verschwörungstheorie« wurde spätestens ab der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem Sammelbegriff, um eine Vielzahl an verschiedenen, oftmals geschlossen intentionalistisch argumentierenden Deutungsmodellen mit jeweils tendenziell großer Erklärungsreichweite in Politik oder Massenkultur zu bezeichnen: eine Gruppe an Personen habe sich verabredet, um verdeckt das Leben und die Lebensumstände einer anderen, häufig größeren Gruppe von Menschen gegen ihren Willen zu beeinflussen oder zu kontrollieren.

Als wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand tangieren Verschwörungstheorien psychologische, soziale, kulturelle und epistemologische Aspekte, die je nach Richtung der Forschung höchst unterschiedlich benannt, analysiert und erklärt werden.

Aufgrund der Komplexität und der Vielschichtigkeit des uns interessierenden Phänomens wird auch diese Publikation natürlich keine endgültige Klärung der vorherrschenden Debatten und eine abschließende Begriffsbestimmung leisten können. Vielmehr soll es in der geplanten Ausgabe der Zeitschrift Psychosozial insbesondere um eine gebündelte sozialpsychologische sowie sozialtheoretische und kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit der psychosozialen Attraktivität von Verschwörungskonstrukten gehen.

Folgende Fragen sind dabei von besonderem Interesse:
  • Auf welche Weise ist Verschwörungsdenken als (soziale) Form oder (Denk-)Stil mit den gegenwärtigen, historisch spezifischen Ausprägungen von Sozialstruktur, Sozialisation und Subjektkonstitution vermittelt? Welche (sozial-)psychologischen Funktionen erfüllen Verschwörungskonstrukte dabei und welche psychodynamischen Prozesse liegen ihnen zu Grunde?
  • Inwiefern sind klinische Erfahrungen und Begriffe, wie sie zum Beispiel in der psychoanalytischen Theorie und Therapie geprägt wurden, in diesem Sinn fruchtbar zu machen?
  • Wie werden weiter Verschwörungsdenken und Verschwörungskonstrukte als (sozio-)kulturell vermitteltes Deutungsangebot empirisch in den Alltag integriert und welche Funktion haben sie für die Welt- und Selbstverhältnisse der Subjekte?
  • Wie können Verschwörungskonstrukte, beispielsweise in bestimmten Milieus, hegemonial werden und für Einzelne Legitimität erlangen bzw. vice versa wie verlieren diese wieder an Legitimität und Erklärungskraft?
  • Die Frage wie Verschwörungskonstrukte beginnen, ist bereits oft gestellt worden, aber die umgekehrte Frage erscheint ebenso interessant und deren Beantwortung aus Sicht der politischen Bildung und Prävention vielleicht noch aufschlussreicher: Unter welchen Umständen und Bedingungen kann die Wirkung eines solchen geschlossenen Konstrukts enden bzw. verunsichert werden und letztlich seine realitätsgestaltende Wirkung verlieren?
  • Sind »Verschwörungstheorien« ein vornehmlich westliches Phänomen und falls sie es sind, welche Gründe gibt es hierfür? Inwiefern sind Verschwörungskonstrukte kulturell geprägt?
  • Im Querschnitt aller dieser Fragen sind ebenso die bisher vernachlässigte geschlechtervergleichende Perspektive sowie die Rolle der Massen- und Populärkultur und ihrer modernen (sozio-)technologischen Kommunikationskanäle von großem Interesse.


Einreichungsmodalitäten und Verfahren

Wir freuen uns über Einsendungen eines ein- bis zweiseitigen Abstracts bis zum 30. November 2018 an Mischa.Luy@rub.de


Im Falle einer positiven Einschätzung durch die Herausgeber erfolgt bis zum 15. Dezember 2018 die Einladung zur Beitragseinreichung. Der Abgabetermin des Beitrags mit einem Umfang von höchstens 45.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, Fußnoten und Bibliographie) ist der 30. September 2019. Voranzustellen sind eine max. zehnzeilige Zusammenfassung (Abstract) und fünf Keywords (jeweils: deutsch + englisch). Alle eingereichten Beiträge durchlaufen ein Peer-Review-Verfahren, auf dessen Grundlage gegebenenfalls Überarbeitungen erbeten werden und die endgültige Auswahl der Beiträge getroffen wird. Die Publikation des Schwerpunktheftes von psychosozial 2/2020 ist für das Frühjahr 2020 vorgesehen.

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