Rezension zu Sex, Lügen und Internet

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Rezension von Mag.a. Bettina Zehetner

Das Internet – unendliche Weiten, unendliches Potenzial für Sex, Lust und Lügen?
116.000.000 Einträge zum Stichwort »Sex« listet Google in 0,9 sec auf:
Aseptische Ersatzkontakte, Gefahrenpotenzial oder sexuelles Empowerment?

Der Sammelband »Sex, Lügen und Internet« bietet eine gute Einführung in die Thematik Sexualität und Internet aus psychotherapeutischer, psychoanalytischer, pädagogischer und soziologischer Perspektive.
Aufschlussreich ist der Text von Arne Dekker »Raumkonstruktionen beim Cybersex«, in dem der Autor Foucaults Begriffe »Utopie« und »Heterotopie« auf Liebesbeziehungen im Internet anwendet (»virtuelle WGs«).

Besonders empfehlenswert ist Martin Danneckers Artikel »Verändert das Internet die Sexualität?« »Im Chat macht man eine Erfahrung, die mit der psychoanalytischen Grundregel vergleichbar. Diese fordert die Patienten bekanntlich dazu auf, alles zu sagen, was ihnen in den Sinn kommt, unabhängig davon, ob es für sie Sinn macht oder ob sie das, was ihnen in den Sinn kommt, für bedenklich oder gar verwerflich ein. Damit wird unter anderem ein sanktionsfreier Raum versprochen.« S. 41 
Sexualität im Mail- oder Chatkontakt ist ganz und gar abhängig von der geschriebenen Sprache. Versprachlichung und kreative Ausdrucksmöglichkeiten werden bedeutsam für den Prozess der Klärung der eigenen Wünsche und das In-Beziehung-Treten mit anderen Online-Partnern.

Neben den klischeehaften Wiederholungen der klassischen heterosexuellen Matrix bietet der Cyberspace auch Spielräume für Phantasien abseits des Mainstream, zum Ausprobieren neuer Rollen und Identitäten, denn das Begehren hält sich – auch und besonders im Internet – nicht immer an die sexuelle Orientierung. 
Laut Dannecker ist die Sexualität im Internet »direkter, schamloser und ungehemmter und zugleich körperbetonter. (...) Sie ist polymorph-pervers organisiert.« S. 43

»Sexuelle Erfahrungen im virtuellen Raum durchqueren die reale Welt und eröffnen die Möglichkeit, über diese zu reflektieren und diese als veränderbar zu begreifen.« S. 44. Die positive Seite der Virtualität: Sie macht neugierig auf Neosexualitäten und kann zur Erweiterung der eigenen Handlungsmöglichkeiten beitragen.


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