Rezension zu Bewaffneter Widerstand

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Rezension von Melanie Koch

Das Buch »Bewaffneter Widerstand. Jüdische Partisanen im Zweiten Weltkrieg« von Nechama Tec erzählt anhand der Geschichte von Tuvia Bielski von der Widerstandsbewegung.

Im Vorwort des Buches erfährt man was die Autorin dazu bewegt hat dieses Buch zu verfassen. Als Kind machte sie selbst die Erfahrung was es bedeutet als polnische Jüdin zu leben. Während dieser Zeit lebte sie unter falscher Identität bei einer christlichen Familie und nahm nach Kriegsende ihre echte Identität wieder an. Dieses Kapitel ihres Lebens versuchte sie zunächst zu verdrängen. Als ihre Erinnerungen sie wieder einholten verfasste sie eine Autobiografie. Während des Schreibens tauchten viele Fragen auf und sie beschäftigte sich weiter mit der Thematik und schrieb über Opfer und Retter im zweiten Weltkrieg. Während ihrer Recherchen wurde deutlich, dass auch jüdische Überlebende anderen geholfen hatten. Nechama Tec berichtet, dass 1986 Vertreter der Organisation der Partisanen, Untergrundkämpfer und Ghettoaufständische Israels mit der Bitte an sie herantraten eine Dokumentation über die Bielski-Partisanen zu verfassen. Nach mehreren Versuchen gelang es ihr, ein Treffen mit Tuvia Bielski zu arrangieren und ein Interview mit ihm zu führen.

Ihr Buch stützt sich auf zahlreiche Gespräche, die sie mit Überlebenden führen konnte. So wird die Erzählung auch immer wieder durch Aussagen von Zeitzeugen gestützt. Hierdurch wird dem Leser erneut vor Augen geführt, dass es sich um eine authentische Erzählung handelt. Hierdurch wird das Interesse an der Thematik noch verstärkt.

Die Schreibweise der Autorin ist zunächst nicht so einfach zu lesen. Die Sätze werden häufig durch erklärende Nebensätze ergänzt und es braucht eine Weile bis man sich daran gewöhnt hat. Auch ist es für den »ungeübten« Leser zunächst schwierig die jüdischen Namen zu lesen und sich zu merken. Aber auch hier stellt sich bereits nach kurzer Zeit ein Gewöhnungseffekt ein.

Insgesamt ist der Schreibstil ideal gewählt und ermöglicht dem Leser, sich ein genaues Bild von den Lebensumständen zu machen.

Besonders interessant an dem Buch ist, dass es eine Thematik aufnimmt, die den meisten nicht bekannt ist. Im Geschichtsunterricht der Schulen kommt das Thema zweiter Weltkrieg immer noch recht kurz und es wird auch nicht vermittelt, dass auch Juden andere Juden retteten und es eine jüdische Widerstandsbewegung gab.

Positiv aufgefallen ist mir, dass die Erzählung zunächst die Zeit vor dem Krieg beschreibt und der Leser einen Überblick über die Veränderungen bekommt. Im weiteren Verlauf wird auch realitätsnah beschrieben wie Menschen umgebracht wurden. Diese Passagen sind zwar nicht leicht zu lesen, aber sie regen zum nachdenken an.

Schwierig finde ich allerdings die Aussage, dass sich die überlebenden Juden vornahmen niemals in deutsche Gefangenschaft zu geraten und dies als Grund für ihr Überleben dargestellt wird. Auch wenn ihr starker Wille sicherlich eine Voraussetzung für ihren Kampfgeist war, wird das Buch an dieser Stelle den vielen ermordeten Juden nicht gerecht. An diesen Stellen hätte ich mir eine differenziertere Darstellung gewünscht und ein Verweis darauf, dass es leider auch viele Menschen gab, die einen genauso starken Willen hatte, aber dennoch in Gefangenschaft gerieten und keine Überlebenschance hatten.

Insgesamt finde ich das Buch aber sehr gelungen und absolut lesenswert. Ich denke auch, dass es gut im Geschichtsunterricht der 10. Klassen oder in der Oberstufe eingesetzt werden kann. Durch dieses Buch wird einem das Geschehen während des zweiten Weltkrieges näher gebracht.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich das Buch für sehr lesenswert halte und es eine gute Grundlage bildet, um sich mit dem zweiten Weltkrieg auseinanderzusetzen. Durch die lebendige Schreibweise ermöglicht es einen guten Einstieg in die Thematik und weckt das Interesse, um sich noch mehr damit auseinanderzusetzen. Allerdings sollte jedem Leser bewusst sein, dass es sich auf Grund der Thematik um kein leichtes Buch handelt, das man einfach nur zur Unterhaltung lesen kann.


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