Rezension zu Rache

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Rezension von Natalie Biskup

Jeder kennt das Gefühl der Rache. Meist geht dies mit der Wiederherstellung der verletzten Ehre einher. Man wurde ungerecht behandelt und ist nun der Meinung, dass man diese Ungerechtigkeit ausgleichen muss. Dies ist jedoch keine Entschuldigung für Verbrechen. Wie es zu dem Gefühl der Rache kommt und wie man dieses Gefühl zähmen kann, zeigt das Buch »Rache: Zur Psychodynamik einer unheimlichen Lust und ihrer Zähmung«.

Bevor sich die Autoren Tomas Böhm und Suzanne Kaplan mit der Rache auseinandersetzen, stellen sie sich vor und erläutern auf was sie in diesem Buch eingehen wollen und wo ihr Schwerpunkt liegen wird. Anschließend gibt es eine kurze Einleitung, die den Inhalt der drei großen Kapitel rund um Rache zusammenfasst und kurz erklärt, wie Rache entsteht.

Das Buch ist in drei große Teile gegliedert: »Die Rache und ihre Ursachen«, »Die Rachehandlung« und »Der Verzicht auf Rache«, wobei diese drei Teile aus mehreren Kapitel bestehen, die wiederum auch mehrmals gegliedert sind.
»Teil 1: Die Rache und ihre Ursachen« steigt im ersten Kapitel mit vielen nachvollziehbaren Beispielen ein, um im weiteren Verlauf den Begriff der Rache näher zu definieren und von anderen ähnlichen Begriffen klar abzugrenzen. Daraufhin werden Beispiele aus Literatur und Film gegeben. Im zweiten Kapitel geht es um die »Rachespirale«, die entsteht, wenn aus Opfer Täter wird. Es wird auf die verschiedenen Gründe wie z.B. Neid und Verletzbarkeit Bezug genommen, wobei auch hier zum besseren Verständnis viele Beispiele geliefert werden. Auch wird hier sowohl die frühere psychoanalytische Sichtweise auf die Racheproblematik erläutert als auch die aktuelle. Die folgenden zwei Kapitel (und letzten des ersten Teils) beschäftigen sich mit Gruppen und der Gesellschaft. Die Gruppe wird als »Brutstätte der Rache« bezeichnet und die Gesellschaft als »Arena der Rache«, wobei als Gruppe hier z.B. auch Religionsgruppen angeführt werden. Dies alles wird gestützt durch Versuche, Experimente und Beispiele, die beschrieben werden.
»Teil 2: Die Rachehandlung« greift die ersten drei Beispiele aus Teil 1 auf und spinnt die Geschichten weiter. Die Autoren setzten bei der »Rachehandlung« aber den Schwerpunkt auf Männer als Täter und Völkermord. Außerdem gibt es ein Kapitel, welches sich »Rächen – Fantasie oder Handlung« nennt und aufzeigt, wie Rache sich äußern kann. Es gibt einige Interviews, die tieferen Einblick gewähren lassen. So zeichnen die Autoren auch nach, wie sich der Täter bei der Vorbereitung und Durchführung der Rache verändert. Beim Völkermord wird vor allem der Völkermord in Ruanda angesprochen und analysiert.
Im letzten Teil, welcher sich »Der Verzicht auf Rache« nennt, wird darauf eingegangen, wie man Rache verhindern und unterdrücken kann. Natürlich steht hier an erster Stelle, dass es zur einer Versöhnung oder zumindest Duldung bzw. Akzeptanz kommt. Es gibt wieder einige Beispiele und unter anderem wird unterschieden zwischen Jungen und Mädchen auf dem Schulhof und wie man da mit Problemen umgehen kann bzw. sollte. Im weiteren Verlauf wird wiederholt Bezug zum Völkermord genommen, wobei hier der Schwerpunkt auf der Zukunft liegt und wie man sie gestalten sollte, um den Opfern zu helfen nicht selbst Täter zu werden. Zuletzt geht dieser letzte Teil darauf ein, wie Menschen mit psychischen Traumatisierungen zu kämpfen haben und wo auch hier die große Schwierigkeit liegt, dass diese Menschen nicht das Gleiche ihren Mitmenschen aus Rache antun. Hierbei kann nur eine gute Psychotherapie helfen, welche im letzten Kapitel »Die professionelle Hilfe« auch Erwähnung findet.
Abschließend gibt es eine kleine Diskussion zwischen Tomas Böhm und Suzanne Kaplan zum Thema Rache. Auch wurde nicht auf das wichtige Literaturverzeichnis verzichtet, welches sehr umfangreich ist und auch die angesprochenen Filme enthält.

Wer Interesse an dem Buch hat, der sollte sich vor dem Kauf am besten zunächst die Einleitung durchlesen, da sie einen guten Überblick bietet auf was dieses Buch im weiteren Verlauf eingehen wird. Dies ist sehr lobenswert, da nicht alle Fachbücher zu Anfang einen so guten Überblick bieten.
Die vielen Beispiele machen das Fachbuch auch für Laien lesenswert, da die Gedankengänge gut nachvollziehbar sind. Manchmal hat man als Leser das Gefühl, dass die Autoren zu sehr abschweifen und der angesprochene Bereich kaum mehr etwas mit der Rache-Thematik zu tun hat, jedoch ist dies nicht weiter schlimm, da auch diese Abschnitte interessante Informationen enthalten.

Fazit: Ein Fachbuch, das sowohl Fachleute anspricht, als auch Laien und Interessierte, da es einerseits sehr detailreich und wissenschaftlich ist, aber andererseits so geschrieben wurde, dass es jeder lesen und verstehen kann ohne Psychologie studiert zu haben. Trotzdem wäre es ratsam sich vor dem Kauf die Einleitung anzusehen, da dieses Buch mit knapp 30 Euro nicht gerade zu den billigsten Fachbüchern gehört.



Wertung:

Gesamt:
6/6 Punkten

Anspruch:
4/6 Punkten

Brutalität:
3/6 Punkten

Aufmachung:
3/6 Punkten


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