Rezension zu Analytische Körperpsychotherapie

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Rezension von Hans-Jürgen Dalüge

In seinem neuen Buch »Analytische Körperpsychotherapie – eine Bestandsaufnahme« hat Peter Geißler die Kluft zwischen Körperpsychotherapie und Psychoanalyse in Theorie und Praxis verringert. Nach der Vorstellung der Bioenergetischen Analyse von Wilhelm Reich und Alexander Lowen beschreibt er seine eigenen Erfahrungen, die er während der bioenergetischen Ausbildung gesammelt hat. Peter Geißler war selbst in der Rolle des Klienten als Teilnehmer einer bioenergetischen Selbsthilfegruppe. Die erworbenen Erkenntnisse während seiner bioenergetischen Ausbildung und Faktenwissen runden das Bild der Bioenergetischen Analyse ab. Ausgewählte Therapiestunden sind dokumentiert.

Im Kapitel »Jaques Berliners und der Main issue des Klienten« werden allerhand diagnostische Beispiele von Jaques Berliners vorgestellt. Sein Spezialgebiet war die Bioenergetischen Analyse. Durch sein Interesse an Psychoanalyse und Körperanalyse entwickelte sich die Möglichkeit, Körperpsychotherapie und Psychoanalyse zu verknüpfen. Sehr praxisnah und gut nachvollziehbar sind die zahlreichen Schilderungen der diagnostischen Beispiele. Es wurden unterschiedlichste Klienten vorgestellt, um so die verschiedenen Arten der diagnostischen Schlussfolgerungen zu verdeutlichen.

Im dritten Kapitel wird ein psychoanalytisches Feld beleuchtet, das im letzten Jahrzehnt immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, der Einfluss der modernen Säuglings- und Kleinkinder-Forschung. Neue Erkenntnisse in der Entwicklungspsychologie fordern die Psychoanalyse auf, vertraute theoretische Konzepte zu überdenken oder zu revidieren. Der Autor empfiehlt der Psychoanalyse unbedingt diese Auseinandersetzung.

Das Kapitel »Regression in der analytischen Körperpsychotherapie« zeigt, wie Freud den Begriff »Regression« verstanden und angewendet hat. Heutzutage geht der Freudsche Regressionsbegriff verloren. Dafür treten sehr genaue Beobachtung und Analyse in den Vordergrund. In körperorientierten Psychotherapien lernt man die Aufmerksamkeit für körperliche Prozesse zu schulen.

Das emotionale Signalisieren in der Kind-Eltern-Interaktion wird im nächsten Kapitel anhand von mehreren Fallbeispielen vorgestellt. Videomikroanalyse und neue therapeutische Möglichkeiten werden gezeigt.

Im Kapitel »Auge und Affekt« werden körpertherapeutische Aussagen zu Auge, Blick und affektmotorische Schemata gemacht.

Im nächsten Kapitel ist in Fallbeispielen gezeigt, wie »Der Körper in der analytischen Körpertherapie« beurteilt wird.

Die nächsten drei Kapitel bringen uns die neuen Erkenntnisse über die Theorie und Praxis in Körperpsychotherapie, nicht nur mit Text, sondern auch mit passenden Abbildungen und Tabellen näher.

Im Kapitel »Analytische Körperpsychotherapie als eigenständige psychotherapeutische Methode« wird deren Definition erklärt. Aber den wichtigsten Abschnitt stellt die spezifische Arbeitsweise in der analytischen Körperpsychotherapie mit Beispielen und Erläuterungen dar.
Im letzen Kapitel »Die Welt ist Klang« werden Fragen zum Gehörsinn über Musik bis zum Schrei in der Psychotherapie behandelt.

Spezifische Begriffserklärungen zum Themenfeld der Analytischen Körperpsychotherapie sind ausführlich im Glossar erläutert.

Das vollständige und übersichtliche Literaturverzeichnis lässt bei Interesse schnell passende Autoren und Themen finden.

Zusammenfassend ist das Buch von Peter Geißler für jeden gut geeignet und empfehlenswert, der sich mit Psychotherapie auseinander setzen muss oder will. Als ich mit dem Lesen dieses Buches begonnen habe, ist mir besonders positiv aufgefallen, dass es sehr praxisbezogen ist und der Autor über einen großen Erfahrungsschatz verfügt.



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