Rezension zu »Liebe auf Abwegen« (PDF-E-Book)

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Rezension von Holger Seifferth

Mathias Hirsch gelingt es in seinem Buch »Liebe auf Abwegen –Spielarten der Liebe im Film psychoanalytisch betrachtet« dem interessierten Leser anschaulich und mit fundierter Argumentationsweise einige Untiefen der menschlichen Psyche anhand ausgewählter filmischer Betrachtungen näher zu bringen und begreiflicher zu machen. Filme sind hierbei ein gut geeignetes Medium, da sich seinem Verständnis nach viele Gemeinsamkeiten zwischen Film und menschlicher Psyche konstatieren lassen und man z.B. in der Lage ist, dem eigenen Unbewussten zu begegnen, indem man Filme ähnlich wie Träume individuell und selbstbezogen erklärt und interpretiert. Diese Begegnungen mit dem eigenen Unbewussten, den eigenen Wünschen, Begierden, aggressiven, kriminellen und lustvoll exzentrischen Neigungen geschieht im Film stellvertretend für die eigene Person und ermöglicht einen psychischen Gewinn. Der Zuschauer erlebt die filmisch angedeuteten und teilweise ausgelebten Perversionen, Grundkonflikte und Regungen als Möglichkeiten jedes Menschen und erkennt, dass sie auch Bestandteil seiner eigenen Psyche sind, ohne sich direkt mit ihnen auseinandersetzen zu müssen.

Bei seiner psychoanalytischen Betrachtung der einzelnen Filme richtet Hirsch sein Hauptaugenmerk nicht auf die Analyse von Bedeutung und Wirkung spezifischer filmtechnischer Mittel noch auf die Untersuchung der Filmwirkung auf den Rezipienten. Er befasst sich vielmehr mit der Betrachtung der aus psychoanalytischer Perspektive relevanten psychischen Dimensionen des filmischen Inhalts, dessen Konzeption, Symbolgehalt und Sinnhaftigkeit. Der thematische Oberbegriff ist die Liebe, die sich in den 15 vorgestellten Filmen in ihren verschiedenen Spielarten zeigt: Mutterliebe, Vaterliebe, Sohnesliebe, Bruderliebe, Liebesunfähigkeit, Pathologische Eiversucht, Perverse Liebe, Selbstliebe, Inzestuöse Liebe, Liebe in der Therapie, Eheliche Liebe. Fast alle filmischen Beiträge wurden bereits in Form eines Kurzvortrages in der Reihe »Psychoanalyse und Film« der Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik, Düsseldorf, von Mathias Hirsch vorgestellt. Unter jede vorgestellte Spielart der Liebe fallen ein oder zwei filmische Betrachtungen, denen jeweils eine kurze inhaltliche Zusammenfassung vorausgeht, welche dem Leser eine gute Einstiegsmöglichkeit bietet, bereits lückenhaftes Wissen über die Filme wieder auffrischt oder ersten Zugang zu den dargestellten und vielleicht noch unbekannten Filmen liefert. Die psychoanalytischen Betrachtungen geschehen in gut nachvollziehbarer Art und Weise und man muss kein Psychologe sein, um Gewinn aus der Lektüre zu ziehen. Für alle, die sich ein tieferes Verständnis für die besprochenen Filme, wie Hitchcocks »Die Vögel« oder Gerard Corbiaus »Farinelli – Il Castrato«, wünschen, Licht in Aspekte des eigenen Unbewussten bringen oder sich ein Bild darüber machen wollen, was für ein immenses psychoanalytisches Potenzial und welche Erkenntnismöglichkeiten über psychische Phänomene und Konflikte in vielen Filmen stecken, ist dieses Buch eine geeignete und empfehlenswerte Lektüre.



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