Rezension zu Rache

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Rezension von Susanne Roth


Das Buch »Rache – Zur Psychodynamik einer unheimlichen Lust und ihrer Zähmung« von Tomas Böhm und Suzanne Kaplan erschien 2009 im Psychosozial-Verlag. Dieses Buch kostet 29,90 Euro.

Das 265 Seiten umfassende Buch gliedert sich in drei Teile mit insgesamt zwölf Kapiteln auf:

Nach einer Einleitung folgen

Teil I: Die Rache und Ihre Ursachen
1. Der Begriff »Rache« (6 Unterkapitel)
2. Die Rachespirale (11 Unterkapitel)
3. Die Gruppe – eine Brutstätte für Rache (8 Unterkapitel)
4. Die Gesellschaft als Arena für Rache (8 Unterkapitel)

Teil II: Die Rachehandlung
5. Rächen – Fantasie oder Handlung (9 Unterkapitel)
6. Der Mann als Täter – Rache aus der Geschlechterperspektive (8 Unterkapitel)
7. Völkermord – die extreme kollektive Rache (7 Unterkapitel)

Teil III: Der Verzicht auf Rache
8. Widerstand – Raumschaffen (4 Unterkapitel)
9. Der Verzicht auf Rache (9 Unterkapitel)
10. Nach dem Völkermord – die Zukunft (6 Unterkapitel)
11. Leben mit der Erfahrung psychischer Traumatisierung (4 Unterkapitel)
12. Die professionelle Hilfe (7 Unterkapitel)

Abgeschlossen wird das Buch mit Diskussionen über das Phänomen der Rache und Literaturempfehlungen.

Auf den ersten Seiten des Buches stellen sich die zwei Autoren vor und geben auch Auskunft darüber, wie sie zu so einem Thema überhaupt kamen bzw. was sie hauptsächlich interessiert.
Im Anschluss daran folgt die eigentliche Einleitung. In dieser wird kurz darauf eingegangen, wie Rache überhaupt entstehen kann, und alle drei Teile des Buches sind kurz zusammengefasst. Ein Interessent sollte sich meiner Meinung nach diese Einleitung durchlesen und anschließend entscheiden, ob dieses Buch für ihn geeignet ist oder nicht.

Teil I:
Hier wird erst einmal mit drei Beispielen begonnen. Alle drei Fälle sind sehr gut nachvollziehbar und jeder Mensch kann, meiner Meinung nach, verstehen, dass diese drei Personen (Kind, Jugendlicher, erwachsene Frau) Wut empfinden und sicherlich auch Rachegedanken hegen.
Das sich anschließende erste Kapitel beginnt eher nüchtern mit der Betrachtung von Rache und »verwandten« bzw. »ähnlichen« Begriffen. Nach kurzer Zeit haben die Autoren allerdings Beispiele aus dem täglichen Leben bzw. aus Filmen mit eingebracht, und dank dieser Beispiele kann der Leser sehr gut nachvollziehen, was die Autoren genau meinen. Außerdem wird die Lektüre dadurch lebhafter gehalten und es mach richtig Spaß, weiter zu lesen.
Im zweiten Kapitel wird es stellenweise wieder etwas trockener, aber auch hier merkt man sehr deutlich, dass die Autoren sich Mühe gegeben haben, ein Buch nicht nur für Fachleute, sondern für alle Interessierten zu schreiben. Auch in diesem Teil des Buches gibt es immer wieder sehr gut nachvollziehbare Beispiele. Nur im letzten Unterkapitel ist alles wieder relativ trocken und der Leser muss aufpassen, dass er nicht gedanklich woanders ist.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit Gruppen. In meinen Augen hat nur sehr wenig in diesem Kapitel mit Rache zu tun. Im Laufe der Seiten werden zwar einige Beispiele beschrieben, aber wirklich mit Rache hat da nicht viel zu tun. Es ist von Experimenten und Versuchen die Rede, die auch interessant sind, aber für mich nicht in dieses Buch gehören.
Im vierten und letzten Kapitel des ersten Buchteils wollen die Autoren Gruppen und ihren »Einfluss« auf Rache verdeutlichen – in meinen Augen ist dies nicht geschehen. Es werden zwar unter anderem Beispiele aus Bibel und Politik genannt, aber auch diese haben, zumindest für mich, meist nur wenig bis nichts mit Rache zu tun. Es ist interessant zu lesen, hat aber meiner Meinung nach mit dem eigentlichen Buchthema nur sehr wenig zu tun.

Teil II:
Gleich am Anfang des zweiten Buchteils werden die drei Bespiele des ersten aufgegriffen und »weitergesponnen«:
In Kapitel fünf (erstes Kapitel des zweiten Teiles) kann meiner Meinung nach leider auch der gute Beginn des Buches nicht fortgeführt werden. Auch hier schreiben die Autoren verständlich und bringen teilweise Beispiele ein, aber für mich persönlich ist der Schreibstil nicht mehr so fesselnd wie am Anfang.
Das sechste Kapitel ist an und für sich gut geschrieben, mit Interviews usw. Nur leider hat auch dieses Kapitel in meinen Augen keinerlei Bezug zu Rache. Es ist nur die Rede von Männern, die Frauen Gewalt antun, da sie div. Traumen haben (und sich durch die Gewalt an anderen Personen quasi rächen) – Rache für mich wäre, wenn eine Frau sich anschließend »wehren« würde, aber nicht zu erklären, wie es bei manchen Männern zu Gewalttätigkeiten kommen kann und diese damit fast zu entschuldigen.
Im anschließenden siebten Kapitel merkt man, dass es sich um eins der »Steckenpferde« der Autoren handelt. Dieses Kapitel umfasst auch mehr Seiten wie ansonsten üblich und vom Schreibstil her kann man davon ausgehen, dass sich die Autoren wirklich umfassend damit befasst haben.

Teil III:
Am Anfang dieses Buchteils werden die Beispiele der anderen Teile zu Ende geführt.
Das achte Kapitel (und damit Kapitel eins dieses Buchteils) ähnelt nun wieder eher den Anfängen. Auf das Thema wird eingegangen und es gibt auch Beispiele.
Im neunten Kapitel sollte das Thema »Verzicht auf Rache« sein. Ich persönlich hatte mir darunter einfach mehr vorgestellt. Es wurde zwar mit Beispielen »gearbeitet«, aber auch hier hatte in meinen Augen nur ca. die Hälfte mit dem eigentlichen Thema zu tun.
Kapitel zehn zähle ich wieder zu den »Steckenpferden« der Autoren.
Das vorletzte Kapitel befasst sich mit dem »Leben mit der Erfahrung psychischer Traumatisierung«. Persönlich finde ich dieses doch sehr kurze Kapitel interessant geschrieben, hätte mir jedoch weitere Ausführungen gewünscht.
Und nun noch zum letzten Kapitel des dritten Buchteiles. Ich persönlich finde dieses wieder sehr gelungen. Ausschlaggebend dafür ist wohl auch der teilweise Abdruck eines Interviews mit einem Traumatherapeuten.

Am Schluss des Buches gibt es noch eine kleine Diskussion der zwei Autoren und Literaturempfehlungen.

Alles in allem finde ich das Buch nicht schlecht, hätte mir aber bei diesem Titel teilweise mehr Informationen gewünscht.
Vom Schreibstil her ist es auch für Laien sehr gut verständlich und die vielen Beispiele halten es lebhaft.
Meiner persönlichen Meinung nach ist dieses Buch eher für Interessierte gedacht, aber nicht wirklich für Fachleute, da viele Themen dann doch eher oberflächlich aufgegriffen wurden bzw. manche Kapitel für mich auch nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun haben.


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