Rezension zu Einsicht in Gewalt

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Rezension von Eugenia Lazaridis

In »Einsicht in Gewalt – Reflexive Kompetenz adoleszenter Straftäter beim Täter-Opfer-Ausgleich« erörtert die Diplom-Psychologin Dr. phil. Svenja Taubner am Beispiel gewalttätiger männlicher Jugendliche die Relevanz der reflexiven Kompetenz im Hinblick auf die Einsichtsfähigkeit im Täter-Opfer-Ausgleich.

Beginnend mit Zitaten jugendlicher Straftäter werden neun Kapitel auf 349 Seiten verteilt, davon die Kapitel 1-4 als theoretischer und die Kapitel 5-9 als empirischer Teil.

Der theoretische Teil weist den Leser in den ersten vier Kapiteln nach und nach, dabei immer Bezug nehmend und tiefer in die Thematik eingehend, in das Thema Jugendkriminalität ein.

Einführend wird auf das Potenzial des Täter-Opfer-Ausgleichs hingewiesen, bezogen auf die Einsicht bzw. Einsichtsfähigkeit und des daraus resultierenden Resozialisierungseffektes.

Im zweiten Kapitel folgt die philosophische und juristische Definition von Einsicht und der Begriff der »Einsicht« im Jugendschutzgesetz. Das dritte Kapitel zeigt den psychoanalytischen Einsichtsbegriff auf und die Einsicht als Ziel des Täter-Opfer-Ausgleichs. Zum Abschluss des theoretischen Abschnitts behandelt Taubner die Risiko- und Schutzfaktoren, die Taxonomie antisozialen Verhaltens in der Adoleszenz und die Genese des dissozialen Syndroms.

Im empirischen Teil werden in den Kapiteln fünf bis acht die Ziele und die Durchführung der Studie dargestellt, die Gruppe der Untersuchten sowie die statistische Analyse und deren Auswertung. Anschließend werden im neunten Kapitel die Ergebnisse, einschließlich eines Ausblickes auf zukünftige Forschung, präsentiert.

Der Anhang umfasst die eingesetzten Fragebögen und Komparationstabellen.

Die Zitate der gewalttätigen Jugendlichen zu Beginn des Buches und die Einleitung schaffen einen einführenden Überblick. Alle Kapitel bauen sukzessive aufeinander auf und schaffen eine sehr gute theoretische Grundlage. Der angenehme, flüssige Schreibstil der Autorin trägt zu einem großen Teil zum Leseverständnis bei.

Die sehr anschauliche und detailreiche Beschreibung der Studie im empirischen Teil führen zu einem sehr guten Verständnis der Arbeit. Besonders die zahlreichen Auswertungsbeispiele, Tabellen und Abbildungen erleichtern den Zugang zur Diskussion der Ergebnisse.

Vor allem die Darstellungen der einzelnen Personen, deren Lebensereignisse und Bindungen zeigen die Hintergründe der gewalttätigen Jugendlichen. Die Aufzeichnungen erlauben eine Einsicht in die Ansichten und Einstellungen der Jugendlichen.

Durch den ausführlichen Anhang wird das Buch abgerundet und schafft noch einmal einen tiefergehenden Eindruck der empirischen Vorgehensweise.

Das Buch erfüllt die Anforderungen eines Fachbuches in vollem Umfang. Für Laien stellt das Werk insgesamt eine interessante Auseinandersetzung mit der Thematik gewalttätiger Jugendlicher dar. Auch die im Anhang aufgeführten Interviews und Methoden der Erhebung von Daten geben einen tiefergehenden Einblick in die Forschung. Allerdings setzt der zweite, empirische Teil wenigstens statistische Grundkenntnisse voraus, um der Arbeit wirklich folgen zu können.

Es wird deutlich gezeigt, dass das Opfer, aber auch die Täter, Beistand benötigen, um für sich selbst mit der Situation umgehen zu können. Insbesondere die Auseinandersetzung des Täters mit seiner unrechtmäßig begangenen Tat steht hier im Vordergrund. Die unabdingbar herbeizuführende Einsicht und daraus resultierende Verhaltensänderung stehen hierbei im Mittelpunkt der Arbeit des Täter-Opfer-Ausgleichs. Reflexive Kompetenz führt zu sozialer Kompetenz und ist somit die Grundvoraussetzung unserer Gesellschaft. Gesamtgesellschaftlich darf natürlich das Opfer nicht vergessen werden, gewalttätigen Jugendlichen sollte aber anhand solcher Maßnahmen die Aussicht auf eine gewaltfreie Bewältigung zukünftiger Auseinandersetzungen gegeben werden. Das Ergebnis würde den Jugendlichen wie auch der restlichen Gesellschaft im gleichen Maße zugute kommen, da es zukünftigen gewalttätigen und kriminellen Handlungen präventiv entgegenwirken könnte.

Deutlich wird durch die hohe Zahl der tatverdächtigten Migranten, dass ein Zugang zu diesen Jugendlichen gefunden werden muss, um ein Ansteigen der Fallzahlen wenigstens konstant zu halten oder, wenn möglich, gar zu reduzieren, da nur so die negative Spirale aus Gewalt, Ausgrenzung und defizitärer Bindungsqualität, auch innerhalb der Familie, durchbrochen werden kann.

Ein Weg dafür könnte die von Taubner vorgeschlagene Begleitforschung von solchen Maßnahmen oder auch eine klinische Orientierung in der Konfliktschlichtung darstellen.

Das Buchcover, speziell das gewählte Bild, zeichnen sich negativ aus. Der Preis erscheint im Vergleich zu anderer Fachliteratur überhöht und würde für mich gegen eine Kaufentscheidung sprechen. In jedem Fall ist dieses Buch lesenswert.


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