Rezension zu Mit Freud im Kino

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Rezension von Lisa Flach

In dem 2008 im Psychosozial-Verlag erschienenen Buch » Mit Freud im Kino – Psychoanalytische Filminterpretationen« stellt der Hamburger Psychiater Theo Piegler 13 Filme aus verschiedenen Ländern und Zeitaltern vor und kommentiert sie unter psychoanalytischen Gesichtspunkten.

Die 13 vorgestellten Filme sind extrem unterschiedlich – einige erotisch und romantisch, andere voller Action. Bei einigen Filmen kommt man gleich auf die Idee, dass sie psychoanalytisch einiges Interessantes zu bieten haben, bei anderen ist man erst einmal erstaunt, sie in diesem Buch zu finden.

Dass die Filmauswahl für das Buch rein subjektiv ist, gibt Theo Piegler in der Einleitung des Buches zu bedenken. Deshalb mag man auch einige »typisch psychoanalytische« Filme vermissen.

Theo Piegler interpretiert die Filme nicht nur, er bettet sie zunächst in einen Kontext ein und berichtet Relevantes über den Regisseur, dessen Motivationen bezüglich des Filmes, seinen biographischen Hintergrund und Einflussfaktoren, die zur Entstehung des Filmes beigetragen haben. So haben ein paar der Regisseure, deren Filme Piegler bespricht, persönlich eine enge Bindung zur Psychoanalyse, da sie sich z.B. in einer eigenen Analyse mit Freud und seiner Psychoanalyse beschäftigt haben und die dort gesammelten Erfahrungen explizit in ihren Filmen verarbeiten. Das macht vieles verständlicher und liefert oft schon genug Stoff für Interpretationen.

In einem zweiten Schritt wird dann der Filminhalt – oft schon mit Fokus auf psychoanalytisch interessante Passagen – resümiert, so dass man die psychoanalytischen Gedanken zum Film auch nachvollziehen kann, auch wenn man den Film nicht gesehen hat. Und wenn man den Film schon kennt, ruft diese kurze inhaltliche Zusammenfassung noch einmal die wichtigsten Fakten ins Gedächtnis.

Nach der Einleitung, die, wie erwähnt, den Regisseur sowie Fakten und Hintergründe zum Film vorstellt, und der folgenden Kurzzusammenfassung des Filminhaltes folgt die psychoanalytische Interpretation des Filmes. Zumeist wird diese auch in den gesellschaftlichen Kontext eingebettet. In den einzelnen Beiträgen ist die Interpretation mal mehr auf verschiedene filmische Details konzentriert, mal eher generell gehalten. Im Film »Swimming Pool« von Francois Ozon zum Beispiel konzentriert Piegler sich auf die vielen symbolträchtigen Farben, Verhaltensweisen und Handlungen. Oft legt Piegler großen Wert auf Details, wie z.B. auch durch Übersetzung verloren gegangene Hinweise und Bedeutungen, die Piegler detailliert offenlegt. Manchmal, wie z.B. in »Wilde Erdbeeren« von Ingmar Bergmann, bezieht Theo Piegler in der Interpretation filmische Szenen auf Ereignisse in Bergmanns Leben.

Wenn es Äußerungen der Regisseure zu ihren Werken gibt, zitiert Piegler diese, was das Bild schön abrundet.

Leider bleiben die Interpretationen zumeist eher oberflächlich und sind eher knapp. Theo Piegler verweist aber in der Literatur, die nach jedem Film angeführt wird, auf weiterführende Interpretationen anderer Analytiker. Manchmal zitiert er auch deren Gedanken oder stellt dem eigene Interpretationen und Gedanken gegenüber. Dies sind interessante Stellen in dem Buch, denn so hat man direkte Vergleiche und unterschiedliche Ansätze, was man in den Filmszenen sehen könnte und wie weitgehend und in welche Richtungen man sie deuten kann. Denn psychoanalytische Interpretationen sind nun mal nie der Wahrheit letzter Schluss und unterschiedliche Analytiker sehen die Dinge unterschiedlich.

In seinen Interpretationen geht Theo Piegler auch, wenn der Filminhalt es nahe legt, auf biblische Szenen oder Geschichten aus der Mythologie ein und zitiert diese zum besseren Verständnis. Das macht das Ganze sehr gut nachvollziehbar.

Hat man die kurzen Beiträge Theo Pieglers in diesem Buch gelesen, so sieht man danach die besprochenen Filme in einem völlig anderen Licht. Oft hat man das Bedürfnis, die Filme noch einmal zu sehen, um auf psychoanalytisch besprochene Details zu achten oder um das Gesamtbild noch einmal mit dem neuen Wissen im Hinterkopf auf sich wirken zu lassen. Hat man die Filme noch nicht gesehen, dann ist die Besprechung Pieglers entweder eine ansprechende Rezension und Filmempfehlung der anderen Art oder man lässt lieber die Finger von dem Film.

Abschließend lässt sich sagen, dass man durch das vorliegende Buch von Theo Piegler einen guten Einstieg in die psychoanalytische Betrachtungsweise bekannter Filme bekommt. Wenn man, davon angeregt, weitere Lust auf psychoanalytische Interpretation von Filmen hat, dann kann man u.a. in der von Piegler angegebenen Literatur weiterlesen. Pieglers Buch bietet einen guten Einstieg und Überblick, eine umfassende Interpretation der Filme kann es in dem vorliegenden Rahmen nicht leisten. Das will Piegler mit seinem Buch aber auch nicht erreichen. In der Einleitung schreibt er: »Dem Autor geht es allein darum, dem Leser den Weg in den kreativen Übergangsraum der Filmwelt, zwischen Fantasie und Wirklichkeit gelegen, zu eröffnen« (Piegler, S. 30).
Und das kann Theo Pieglers Buch auch leisten.


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