Rezension zu Mit Freud im Kino

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Rezension von Björn Günter

Das Buch lädt den Leser ein, eine bunte Sammlung vergangener Kinofilme aus den Augen der Psychoanalyse zu betrachten, wobei der Autor jedoch schon in der Einleitung auf die unumgängliche Subjektivität der einzelnen Filmanalysen hinweist. Nach den Worten des Autors möchte er den Versuch begehen, »dem Leser den Weg in den kreativen Übergangsraum der Filmwelt, zwischen Fantasie und Wirklichkeit gelegen, zu eröffnen«. Das Buch schlägt somit einen ähnlichen Weg ein wie etliche lokale Zirkel, welche in regelmäßigen Abständen sich anschicken, Spielfilme bzgl. psychoanalytischer Aspekte zu durchleuchten.

Das Buch ist so aufgebaut, dass in einer knapp gefassten Einleitung die Geschichte des Films und der Psychoanalyse beleuchtet und auf deren historisch gewachsene Verbindung eingegangen wird. Der Großteil des Buches besteht im Folgenden dann aus separaten Beschreibungen bedeutsamer Kinofilme und einer psychoanalytischen Betrachtung derselben.

Als tatsächlicher Einstieg in die Psychoanalyse sollte dieses Buch aufgrund des Schwerpunktes auf die einzelnen Filme meiner Meinung nach nicht verstanden werden, auch wenn dies der Text auf dem Buchrücken vermuten lässt. Hierzu wäre eine detaillierte Einführung in die einzelnen Begriffe und Konstrukte der Psychoanalyse notwendig, welche den Rahmen des vorliegenden Buches sprengen würde. Sind diese Vorkenntnisse jedoch beim Leser vorhanden, so stellt das Buch eine interessante und unterhaltsame Sammlung von Fallbeispielen dar, an denen der Leser seinen psychoanalytischen Blick schulen kann.

Zu diesem Zwecke wird der historische und kulturelle Hintergrund jedes einzelnen Films beleuchtet, um den Boden für die anschließende Analyse zu bereiten. Neben diesem kulturbedingten Hintergrund wird ebenfalls auf die Autoren des Drehbuchs eingegangen, um daraufhin den Inhalt und Verlauf des Films darzulegen. Nach der Psychoanalyse, welche je nach Film unterschiedlich gegliedert ist, schließt das jeweilige Kapitel dann mit einer kurzen Zusammenfassung.

Die Texte zu den einzelnen Filmen können zum einen als Art Vorbereitung auf einen Filmabend genutzt werden, durch welche die Intensivität des Filmerlebnisses deutlich erhöht werden kann und als Grundlage anschließender Diskussionen genutzt werden kann.

Zum anderen sind die Texte jedoch auch so bildhaft geschrieben, dass man sich auch ohne ein direktes Betrachten des Filmes ein sehr gutes Bild der Thematik machen kann bzw. keine Probleme hat, sich bereits angeschaute Filme detailliert wieder in Erinnerung zu rufen.

Zu beachten ist jedoch, dass die einzelnen Texte den Verlauf der einzelnen Filme vollständig aufdecken – also keine Rücksicht auf Cineasten nehmen, welche den Spannungsbogen des Films von Grund auf miterleben wollen. »Erstseher« eines Films sollten sich also vorab überlegen, ob sie das entsprechende Kapitel nicht besser erst nach dem Film lesen.


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