Rezension zu SM-Sexualität

Lambda Nachrichten

Rezension von Kurt Krickler

Ziemlich zeitgleich mit der »modernen« Lesben- und Schwulenbewegung entstand auch eine – vorwiegend heterosexuelle – SM-Bewegung, wofür im Grunde dieselben historischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen maßgeblich waren. Der deutsche Subkulturforscher Norbert Elb hat diese SM-Bewegung wissenschaftlich untersucht und seine Forschungsergebnisse in Buchform veröffentlicht. Wie die Lesben- und Schwulenbewegung gehört für Elb die SM-Bewegung zu den Neuen Sozialen Bewegungen. Und gerade die von ihm dargelegten Parallelen machen das akademische – und Vorsicht: keinesfalls pornografisch voyeuristische! – Werk zu einer durchaus spannenden Lektüre, gerade auch für »Nicht-SMerlnnen« und jene, die allgemein an zivilgesellschaftlichen Projekten in ihren vielfältigen Formen interessiert sind.

Elb ist selbst Mitglied der SM-Szene und hat dadurch privilegierten Einblick in die Strukturen der einzelnen SM-Gruppen in Deutschland. Andererseits, und das verschweigt der Autor keinesfalls, hat seine Rolle als Forscher sicherlich seine Interviewpartnerinnen als »Beforschte« in ihrer Interaktion und Gruppendynamik mit ihm beeinflusst. Diese beiden Faktoren wirken sich auf die »wissenschaftliche Objektivität« aus, aber einen solchen Forschungsansatz hat Elb ohnehin bewusst nicht gewählt – bei seinem Zugang handelt es sich vielmehr um die aus der Ethnologie stammende Methode der »teilnehmenden Beobachtung«.

Das über 300 Seiten starke Buch ist zweifellos als Standardwerk auf diesem Bereich zu werten und lässt angesichts seiner Informationsfülle kaum eine Frage offen. Wer sich indes nicht in jeden Detailaspekt vertiefen will, kann die Kapitel auch – je nach Interessenlage – gezielt lesen.

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