Rezension zu Der kreative Dialog der Künstlerin Niki de Saint Phalle

www.amazon.de vom 14. Februar 2018

Rezension von Werner Fuchs

Nach 15 Jahren zum Glück wieder erhältlich

»Gerade habe ich die abschließende Korrektur meines Manuskripts ›Der kreative Dialog der Künstlerin Niki de Saint Phalle‹ beendet. Gerade habe ich die Mappe, welche meine Korrespondenz mit Niki de Saint Phalle enthält, bedauernd in das Regel zurückgestellt, denn offensichtlich ist sie zu krank, um mir nochmals zu antworten. Da höre ich, dass Niki de Saint Phalle gestorben ist. Es ist der 22. Mai 2002.« Diese Zeilen aus dem Nachwort finden sich auch in der Neuauflage von 2018, die offenbar, sieht man vom Impressum ab, mit der 1. Auflage identisch ist.

Warum Verlag und Autorin sogar auf eine Aktualisierung des Literaturverzeichnisses verzichteten und kein Wort über die Neuauflage verlieren, weiss ich nicht. Aber ich finde das ebenso schade wie die Beibehaltung eines Layouts, das einem Buch über eine Künstlerin wie Niki de Saint Phalle nicht gerecht wird. Und das gilt auch für die Druckqualität der 15 Abbildungen, auf die sich Susanne Niemeyer-Langer in ihrem Text bezieht.

Ihr Text ist es auch, der mich trotz aller Kritik an seiner Verpackung dazu bewogen hat, das Buch mit fünf Sternen zu bewerten. Zumal der kreative Dialog nach dem Tod der Künstlerin ja bedauerlicherweise ein Ende gefunden hat und wohl keine neuen Quellen aufgetaucht sind, die an der grundsätzlichen Einschätzung etwas ändern könnten.

Da ich mich seit meiner Studienzeit für die Arbeiten von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely interessiere und begeistern kann, hat sich auch viel Literatur über die beiden Ausnahmekünstler angehäuft. Auf das Buch von Susanne Niemeyer-Langer wurde ich allerdings erst durch diese Neuauflage aufmerksam.

Was die Fachärztin für psychosomatische Medizin in Freiburg unter »kreativem Dialog« versteht, erläutert sie in der Einleitung, wo es heißt: Unter diesem Begriff »verstehe ich die Einigkeit, aus verschiedenen spannungsvollen Positionen Wege zu finden, um etwas Drittes, etwas Neues kreieren zu können.« Unter diesem Aspekt beleuchtet die Autorin auf den folgenden 160 Seiten die Biografie und die Werke von Niki de Saint Phalle. Dabei ist es von Vorteil, wenn der Leser auf einen Bildband zurückgreifen kann, in dem die wichtigsten Werke in Farbe vorgestellt werden. Denn die 15 Abbildungen im Buch können dies nicht leisten.

Das Kapitel »Kreativität und Kunst« ist ein guter Einstieg, um den Gedankengängen der Autorin folgen zu können. Denn ist man einigermaßen mit dem vertraut, was Sigmund Freud und andere Psychoanalytiker zu diesem Thema schrieben, reiht man die Thesen der Autorin ganz anders ein.

Nach dieser Einführung widmet sich Susanne Niemeyer-Langer bis Seite 144 dem Leben und der Kunst von Niki de Saint Phalle. Und weil der kreative Dialog auch maßgeblich mit Jean Tinguely geführt wurde, ist von diesem Künstler ebenfalls häufig die Rede.

Zum Schluss folgt eine zusammenfassende Betrachtung, in der nochmals dargelegt wird, wie Niki de Saint Phalle zu ihrem reichen inneren Wachstum gekommen ist. Und in den abschließenden Bemerkungen fragt sich die Autorin, »inwieweit der geschilderte kreative Dialog in der Kunst Niki de Saint Phalles mit der Kreativität des psychoanalytischen Beziehungspaars, bestehend aus Therapeut und Patient vergleichbar ist.«

Mein Fazit: Schön, dass diese vermittelnde Darstellung zwischen komplexen psychodynamischen Zusammenhängen, faszinierender Lebensgeschichte und den herausragenden Kunstwerken von Niki de Saint Phalle nach 15 Jahren nochmals aufgelegt wurde. Die spannende Lektüre hat mich darüber hinweg getröstet, dass die Verpackung, sprich Gestaltung, keine Maximalnote verdient.
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