Rezension zu Transparenz und Teilhabe

Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (KJP), Heft 176, 48. Jahrgang, 4/2017

Rezension von Annegret Wittenberger

Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus der Rezension zum Buch »Transparenz und Teilhabe«:

»Selten hat mich ein Buch so zum Widerspruch gereizt wie dieses, was ich zunächst als Hinweis auf das lebendige Potenzial darin verstehe. Und das ist ein gutes Zeichen, wenn man bedenkt, wie die Psychoanalyse im Nachkriegsdeutschland in einen Prozess der Erstarrung geriet – aufgezeigt bspw. von Maren Holmes in ihrer Arbeit über Paula Heimann, aus der deutlich wird, was diese große Analytikerin zur Wiederbelebung der Psychoanalyse in unserem Land beigetragen hat. Auch Dreyer zeigt sich sichtlich beeindruckt von Heimanns unkonventioneller und lebendiger Arbeitsweise und zitiert eine Fallvignette aus einer ihrer letzten Analysen, in der ein spontan von ihr geäußerter Gegenübertragungseinfall schlagartig den Denk- und Erlebensraum ihrer ebenfalls schon älteren Patientin öffnete, wodurch diese ein verschüttetes Trauma erinnern und letztlich integrieren konnte.

Dreyers eigene ausführliche Falldarstellungen zeigen, dass auch er den lebendigen Kontakt mit seinen Analysanden sucht, und es ist unbestritten, dass unsere Patienten diesen lebendigen Kontakt mit uns brauchen, um den Mut zu entwickeln, eigenen abgewehrten triebhaften Selbstaspekten zu begegnen. Gleichzeitig wirft das Buch Fragen auf, besonders im Blick auf das Postulat der Transparenz: Kann es wirklich für alle Patienten gleichermaßen förderlich sein, bspw. den Bericht ihres Therapeuten an den Gutachter zu lesen?«

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