Rezension zu Zufrieden älterwerden

Psychotherapie im Alter 2/2016

Rezension von Meinolf Peters

Hartmut Radebold gilt als Nestor der Alterspsychotherapie in Deutschland. Nach seiner Emeritierung im Jahre 1997 hat er sich intensiv dem Thema Krieg, Flucht und Vertreibung und dessen Folgen im Alter gewidmet. Ihm kommt das Verdienst zu, dieses Thema nicht nur als einer der ersten aufgegriffen, sondern ihm auch den entscheidenden Impuls gegeben zu haben, sodass es heute nicht nur bei Fachkollegen, sondern auch darüber hinaus großes Interesse findet. Jetzt, wo er selbst das 80. Lebensjahr und damit das hohe Alter erreicht hat, hat er zusammen mit seiner Frau Hildegard, die lange Jahre eine Bibliothek geleitet und Kinderbücher rezensiert hat, ein Buch über das Älterwerden geschrieben, dass sich nicht an ein Fachpublikum, sondern an ein interessiertes Laienpublikum wendet. Es reiht sich insofern ein in die Fülle an Ratgeberbüchern zum Thema Alter, unterscheidet sich aber doch wohltuend davon, weil es nicht allein aus eigener Betroffenheit heraus geschrieben ist, sondern vor dem Hintergrund einer jahrzehntelangen Erfahrung und Beschäftigung mit dem Thema. Zu ergänzen ist, dass das Buch erstmals 2009 unter dem Titel »Älterwerden will gelernt sein« bei Klett-Cotta erschienen ist1 und nun im Psychosozial-Verlag unter geändertem Titel und gründlich überarbeitet neu aufgelegt wurde.

Die Autoren tasten sich allmählich an das Thema heran und beleuchten es zunächst aus unterschiedlichen Perspektiven: Verbreitete Fantasien und Bilder vom Alter, Alter aus der Perspektive von Märchen, Geschichten und Gedichte zum Thema sowie kulturgeschichtliche Betrachtungen. Schließlich zeichnen sie die Bedeutung des Themas in Zeitschriften, Fernsehen und Kino nach. Damit entsteht nicht nur ein anregendes und vielschichtiges Bild, welches das Interesse der LeserInnen weckt, sondern es wird auch deutlich, wie sehr uns das Thema des Älterwerdens in unserem Leben und in unserer Kultur beschäftigt –wie sehr es gewissermaßen alles durchdringt.

In den nächsten Kapiteln wird es etwas wissenschaftlicher, ohne dabei allerdings unverständlicher zu werden. Immer bleibt das Buch auf eine angenehme Art und Weise gut lesbar. Es geht nun um die Frage, ob Frauen und Männer unterschiedlich altern, ob sich Ältere noch verändern können und schließlich um die Bedeutung der zeitgeschichtlichen Perspektive, also dem Thema, dem Hartmut Radebold sich in den letzten zwei Jahrzehnten vornehmlich gewidmet hat.

Schließlich folgt der eigentlich zentrale Teil des Buches, nämlich die Abhandlung zentraler Entwicklungsaufgaben des Alters: »Bisherige Berufstätigkeit beenden! Was dann?«, »Sich gut um den eigenen Körper kümmern«, »Das Kind in uns suchen und annehmen«, »Sich Veränderungen und unbekannten Gefühlen stellen«, »Beziehungen gestalten und erhalten«, »Partnerschaft entwickeln« und andere. Neben Erläuterungen zum Thema finden sich auch in allen Kapiteln Beispiele, die nicht nur illustrativ, sondern auch anregend sind. Anregend sind aber auch die persönlichen Fragen, die jeweils optisch etwas hervorgehoben zum Thema gestellt werden. Nimmt man sich diese Fragen zu Herzen, gewinnt das Buch eine selbstreflexive Perspektive und damit eine Dimension, die weit über die eigentliche Lektüre als Sachbuch hinausgeht.

Insofern kennzeichnet das Buch eine angenehme Mischung von sachlichen und wissenschaftlichen Ausführungen, lebens- und alltagsnahen Erläuterungen, die dem Leser das eigene Altern bewusst machen können, bis hin zu sehr persönlichen Anregungen. Letzteres wird noch einmal in besonderer Weise unterstrichen, indem beide Autoren am Ende sehr persönlich zu ihrem eigenen Altern Stellung nehmen. Es kennzeichnet auch die Arbeitsweise von Hartmut Radebold, sowohl in seinen Publikationen – zum Beispiel dem sehr persönlichen Buch über die abwesenden Väter – wie auch in seinen Vorträgen und Seminaren, dass er auch wissenschaftliche Themen nie trocken, sondern immer auch auf eine sehr persönlicheWeise behandelt. Beiden Autoren sei somit gedankt für dieses inspirierende Buch, dem ein großer Leserkreis zu gönnen ist.

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