Rezension zu Handbuch Mentalisieren

Kärntner Ärztezeitung Nr. 4, April 2016

Rezension von Dr. Bertine Kunater

Dieses Buch handelt vom Mentalisieren – eine Fähigkeit, die sich auf die »inneren Zustände« in sich selbst und im anderen beziehen. Mentalisierungsfähigkeit kann trainiert werden. Sie ist maßgebend für die Organisation des eigenen Selbst und die Regulierung der Affekte.

Gegliedert wird das Buch in zwei Teile: Im ersten Teil wird beschrieben, wie die auf das Mentalisieren ausgerichtete Perspektive Behandlungen in verschiedenen Konzepten der Psychotherapie Wirkung nehmen kann. Dargestellt werden dabei sowohl die Techniken in den verschiedensten therapeutischen Settings (Einzel-, Gruppen- und Familientherapien), zusätzlich wird auch das Mentalisieren in ambulantem – teilstationärem und stationärem – Setting beleuchtet.

Im zweiten Teil wird auf die Behandlungsmöglichkeit unterschiedlicher Störungsbilder eingegangen, begonnen wird mit der mentalisierungsbasierten Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, für die sie ursprünglich entwickelt wurde.

Sehr unterstützend finden sich hier auch Tabellen hinsichtlich Ziele der mentalisiertenbasierten Therapie von Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen, Überlegungen hinsichtlich charakteristischer Eigenschaften eines MBT-Therapeuten und auch wie optimal mentalisierende Therapie sein sollte.

Sehr spannend finde ich auch das Kapitel der Antisozialen Persönlichkeitsstörungen mit dem Fokus auf die inneren Zustände des Patienten selbst sowie auf die Gefühle, die andere in ihm wecken und weniger die Motive und mentalen Zustände anderer in den Mittelpunkt zu stellen.

Weiters werden noch u.a. effektive Behandlungstechniken vorgestellt, die auf Essstörungen, Depression, Trauma, Drogensucht sowie Risikomütter mit Babys und Kleinkindern eingehen.

Zusammenfassend muss man sagen, dass es sich bei diesem dicken Schmöker um ein Buch handelt, das ich von vorne bis hinten mit viel Freude gelesen und durchgearbeitet habe. Bezogen auf meine klinische Arbeit, gibt es mir viele Ideen, Hinweise und Antworten auf Fragen, die ich mir bisher gestellt habe. Die Mentalisierungstheorie greift einen sozial-interaktionistischen Ansatz mit dem Hintergrund des Entwicklungskontextes von Bindungsbeziehungen auf und stellt die emotionalen Objektbesetzungen sowie die Affektregulierung in den Mittelpunkt der Gedanken.

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