Rezension zu Kunst und Entfremdung

Musikerziehung, Jahrgang 68, Heft 2, Oktober 2015

Rezension von Gerta Steinringer

Die seit jeher vielfach und kontrovers diskutierte Frage, was denn überhaupt Kunst sei, findet in dieser Publikation von mehreren Seiten her interessante und schlüssige Antwortmöglichkeiten. Basis für Königs persönliche weiterführende psychoanalytische Gedanken zu einer Kunsttheorie bildet das umfassende Werk des ungarischen Kunstsoziologen Arnold Hauser. Dessen Leben und Werk wird in einem ersten Teil abgehandelt, hinführend zum zentralen Begriff der »Entfremdung«. Die »Kunst der Entfremdung« (im zweiten großen Abschnitt) wird abgelöst vom 3.Teil, dem »Ort des Schweigens«.

Die Blickwinkel fundierter soziologischer Konzepte werden mit zahlreichen psychoanalytischen und philosophischen Ideen ergänzt und erweitert.

Die »Entfremdung als anthropologische Konstante« findet in der künstlerischen Tätigkeit »die schönste Art von Mülleimer, die man sich vorstellen kann.« (S.103)

Über anschauliche Beispiele aus Musik, Literatur, Film und Malerei gelangt der Autor zu einer Zusammenfassung von drei Wirkfaktoren der Kunst, nämlich 1. dem Symbolischen Potential, 2. dem Inneren Bedrohtheitserleben und 3. dem Grad der Abwehrformation.

Mit dieser Arbeit ist sicher ein wichtiger und anerkennenswerter weiterer Baustein zu einer psychoanalytischen Kunsttheorie gelungen.

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