Rezension zu »Mein Name ist Bond - James Bond«

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Rezension von Dr. Werner Fuchs

Auch als unterhaltsame Einführung in die Psychoanalyse geeignet

Mit diesem Buch verfolgte der deutsche Filmwissenschaftler Andreas Jacke natürlich nicht die Absicht, ein Lehrbuch für angehende Psychoanalytiker zu schreiben. Aber eine solche Zweckentfremdung könnte ich durchaus empfehlen. Denn James Bond ist wohl die bekannteste Projektionsfläche für ein Idealbild, das psychoanalytisch betrachtet ein Ich-Ideal männlichen Verhaltens ist. Und will man einem Ideal auf die Spur kommen, müssen Abweichungen automatisch mitberücksichtigt werden.

Andreas Jacke zeigt auf über 200 Seiten auf, was es mit dieser ungeheuer populären fiktionalen Leitfigur unserer Kultur auf sich hat. Deshalb geht er auf ihre Schwächen und Stärken ein und analysiert, in welchen psychoanalytischen Strukturen sie involviert ist. Dabei versteht es sich von selbst, dass Erkenntnisgewinn und Unterhaltungsfaktor umso grösser sind, je mehr Bond-Filme der Leser gesehen hat. In meinem Fall sind das alle.

Da dies auch auf den Autor zutrifft, stand er vor der schwierigen Frage, wie er seine Studie gliedern will, um die wesentlichen Ergebnisse in eine nachvollziehbare und möglichst verständliche Form zu bringen. Und weil ich der Meinung bin, er habe eine überzeugende Antwort gefunden, fasse ich im Folgenden das Inhaltsverzeichnis zusammen.

Einleitung: Das unsterbliche Idol – Ian Fleming und sein Agent James Bond – Das phallozentrische Abziehbild vom weiblichen Anderen – Die verschiedenen Bond-Darsteller und ihre Charaktere – Ein zwangsneurotischer Agent in der paranoiden Welt des Spectre-Terrors - Bond und der Derrida’sche Andere – Die Inszenierung von männlicher Dominanz – Umberto Eco über James Bond – Vom Krimi zur Science-Fiction – Sadistische Grausamkeiten – Elemente des Actionfilms – Exkurs: Mr. Smileys schlechtes Gespür für Frauen.

Diese faszinierende Studie von Andreas Jacke erhebt einen wissenschaftlichen Anspruch. Daher muss der Leser damit leben können, dass Literaturverweise den Lesefluss etwas beeinträchtigen. Aber wer solche Lektüre gewohnt ist, wird sich daran bestimmt nicht stören. Und wer die Schwierigkeiten bei Bildrechten kennt, wird es auch leichter verschmerzen, dass er lediglich auf die Abbildung einer Walter PKK mit Schalldämpfer und den Nachbau eines Aston Martin DB5 stößt. Obwohl diese Auswahl doch eher seltsam ist.

Mein Fazit: Dem männlichen Ich-Ideal »James Bond« eine psychoanalytische Studie zu widmen, war längst überfällig. Schön, dass diese nun von einem Filmwissenschaftler vorgelegt wird, der bereits in anderen Büchern bewiesen hat, wie gut sich die Welten der Psychoanalyse, Philosophie und Medienwissenschaft verbinden lassen. Spannend, lehrreich und dazu animierend, sich selber und die eigenen Helden zu hinterfragen.

((5 Sterne))

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