Rezension zu Der Musiker und sein Instrument

Musikerziehung, Jahrgang 68, Heft 2, Oktober 2015

Rezension von Gerta Steinringer

Auf der Grundlage von 41 Autobiographien verschiedener Instrumentalisten wurden mit einfühlsamer, kritisch hinterfragender Haltung vielfältige Aspekte zum Beziehungsthema Musiker-Instrument untersucht und beschrieben. Vor dem Hintergrund herkömmlicher musikpsychologischer Forschung hebt sich diese Arbeit durch spannende Fragestellungen und differenzierte Methodik wohltuend ab. Beinahe jeder Mensch hat in seinem Leben irgendeine Art Instrument in Händen gehabt und damit Töne hörbar gemacht. In dieser Untersuchung geht es allerdings um die Entstehung und Entwicklung der Instrument-Person (»per-sonare« bedeutet »durchtönen«) - Beziehung von Spitzen-Musikern.

Der wissenschaftliche Blick der Psychoanalytikerin (K. Nohr) richtet sich auf die Tiefenstrukturen berühmter Musikerpersönlichkeiten und zeichnet sich durch Objektivität, Repräsentanz und Ausgewogenheit aus. Bei aller Vielfältigkeit entpuppt sich das Instrument immer als Spiegel des Selbst seines Spielers und repräsentiert eine Reihe internalisierter Ansprüche, Ideale und Werte vonseiten Eltern oder Lehrern oder anderer wichtiger Bezugspersonen.

Vier Einzelfälle (der Cellist P. Casals, der Flötist J. Galway, der Geiger G. Kremer und der Pianist J.l. Paderewski) werden im letzten Abschnitt mit den jeweils gleichen Unterkapiteln (Charakterisierung der Quelle, Autobiographisches Portrait, Auswertung - Instrumentenfindung als Beziehungsauftakt, Welche Beziehung entwickelt X Y zu seinem Instrument und Hintergründe der Musiker-Instrumenten-Beziehung) in Augenschein genommen und als Kontrolle der vorangegangenen vergleichenden Untersuchungen herangezogen.

In der Schlussbemerkung formuliert die Autorin (S.237) nochmals das Ziel ihrer Arbeit, nämlich die Licht- und Schattenseiten in der Musiker-Instrument-Beziehung zu zeigen und weiterführende Gespräche zu den vielen Fragen vorzubereiten.

Es war auch sehr verdienstvoll, nach einem beachtlichen Literaturverzeichnis im Anhang noch einen Überblick über sämtliche in die Untersuchung aufgenommenen Autobiographien als Kurzcharakteristiken abzudrucken, nach Instrumenten (Klavier, Geige, Bratsche, Cello, Flöte, Orgel, Cembalo, Schlagzeug/Pauke) geordnet. Darüber hinaus wurden von den Instrumentalisten in einem tabellarischen Überblick nach Instrumentengruppen in alphabetischer Reihung das Alter bei Unterrichtsbeginn, die musikalische Orientierung der Herkunftsfamilie und der Modus der Instrumentenwahl zusammengefasst.

Ein hochinteressantes und für alle Musikliebhaber faszinierendes Unterfangen!

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