Rezension zu Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Punktum. Verbandszeitschrift des Schweizer Berufsverbandes für Angewandte Psychologie, Dezember 2014

Rezension von Svetlana Madsen

Mentalisierungsbasierte Therapie
A.W. Bateman, P. Fonagy: Psychotherapie der Bordeline-Persönlichkeitsstörung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine schwere Persönlichkeitsfunktionsstörung, die durch Verhaltenseigenschaften wie Impulsivität, Identitätsstörung, selbstverletzendes Verhalten, Leere sowie intensive und instabile Beziehungen charakterisiert ist. Gemäss Statistiken entsprechen etwa zwei Prozent der Bevölkerung den diagnostischen Kriterien der BPS. Die Autoren des vorliegenden Bandes, Anthony W. Bateman und Peter Fonagy, haben eine psychodynamisch orientierte Behandlung gegen BPS entwickelt: die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT). Randomisierte, kontrollierte Studien haben gezeigt, dass diese Therapiemethode wirksam und insbesondere für Persönlichkeitsstörungen geeignet ist. Mentalisieren ist die Fähigkeit, das eigene Verhalten und das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren. Die Autoren gehen davon aus, dass Mentalisierungshemmung, als prototypische Reaktion auf ein Trauma, ein sehr wichtiges Phänomen für die Behandlung schwerer Persönlichkeitsstörungen ist. Die Entwicklung bzw. Verbesserung der angemessenen Mentalisierungsmuster und Emotionsregulation erlauben Borderline-PatientInnen, dank MBT die Umwelt besser zu verstehen sowie auch eigenen Emotionen effektiv zu steuern bzw. anpassen zu lernen. Das MBT-Verfahren ist vielfältig und bezieht sich auf die bewährten Praktiken der psychodynamischen Psychotherapietechniken sowie auch solchen aus der kognitiven Verhaltenstherapie.

Der erste Teil des Buchs gibt einen Überblick über die BPS, einschliesslich der Diskussion um Nosologie, Epidemiologie und psychosoziale Ätiologie. Es fasst zusätzlich den aktuellen Zustand der Forschungskenntnisse über wirksame psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungen der BPS zusammen.

Der zweite Teil entwirft den theoretischen Ansatz der MBT und stellt den mit anderen weithin bekannten Methoden gegenüber. In dem umfassenden Schlussteil entwerfen die Autoren klinische Ansätze der MBT, mit zahlreichen praktischen Beispielen illustriert. Das Buch schliesst mit den Hinweisen auf geeignete Implementierungswege erfolgreicher MBT-Behandlungen.

Dieses Buch ist an alle gerichtet, die sich dem Thema »Psychotherapie der Persönlichkeitsstörungen« nähern möchten. Die psychosozialen Fachkräfte können von den praktischen Ansätzen und klinischen Beispielen dieser Lektüre profitieren.

Svetlana Madsen


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