Rezension zu Filme auf der Couch

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Rezension von Stefan Otto

Analytiker sehen Filme

Reihen, die Film und Psychoanalyse zusammenbringen, sind nicht gerade selten. Es gibt sie derzeit in etlichen Kinos, in zahlreichen Städten, von Mannheim bis Leipzig und von Freiburg bis Kiel. Im BrotfabrikKino in Berlin-Weißensee läuft die Reihe »Film und Psychoanalyse« seit 2002. Ihr Initiator und Moderator Dr. med. Lutz Wohlrab veröffentlicht nun 16 der Vorträge in »Filme auf der Couch – Psychoanalytische Interpretationen.«

14 Autoren, vor allem praktizierende und lehrende Psychoanalytiker aus Berliner Instituten sowie Kulturschaffende der Stadt, interpretieren Filme unterschiedlicher Genres. Die Lieblinge der Psychologie sind dabei (Filme von Luis Buñuel, Alfred Hitchcock, David Lynch), wie auch Filme, die sich selbst mit der Psychoanalyse befassen (Ich hieß Sabina Spielrein, Intime Fremde). Einige Filme erwartet man geradezu in einem solchen Buch und die Erwartungen werden erfüllt (Meshes of the Afternoon, Chihiros Reise ins Zauberland), andere tauchen eher überraschend hier auf (Alien – The Directors Cut, Mary Shelleys Frankenstein).

Bis auf einen Beitrag, der vier Experimentalfilm-Klassiker untersucht, widmen sich die Kapitel immer einem einzelnen Film. Sie lassen sich durchweg auch ohne fachliche Vorbildung lesen und zeigen unterschiedliche Ansätze psychoanalytischen Denkens. Den meisten der Texte merkt man noch beim Lesen an, das sie ursprünglich geschrieben wurden, um vor oder nach dem entsprechenden Film vorgetragen zu werden. Gewöhnlich gehen sie die Filmerzählung Schritt für Schritt durch und greifen einige der dargestellten Handlungsmuster und einzelne Szenen heraus, die sie dann genauer beleuchten. Sie hier zu reduzieren auf prägnante Formeln wie »in Lost Highway geht es um den Ödipuskomplex« oder »Chihiros Reise ins Zauberland handelt von unbewussten Ablösungskonflikten« wäre falsch. Die Beiträge zeigen vielmehr, dass psychoanalytische Analysen von Filmen die Bandbreite der Interpretationen bereichern, ja, dass sie sogar zu den interessantesten Interpretationen gehören können.

Am Besten liest sich »Filme auf der Couch« wohl, wenn man die Vortragssituation im Berliner BrotfabrikKino wenigstens nachstellt. Also: DVD gucken, ein Kapitel lesen. Nächste DVD, nächstes Kapitel. Und so weiter.



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