Rezension zu Patient Scheidungsfamilie

Jugendhilfe aktuell 3/2013, S. 41

Rezension von Jutta Möllers

»Patient Scheidungsfamilie« – vertieftes Verständnis für Profis
von Helmuth Figdor

(jm) »Patient Scheidungsfamilie« von Helmuth Figdor richtet sich zuallererst an professionelle Helfer: Therapeuten, Berater, Fachkräfte in Jugendämtern, Gutachter, Rechtsanwälte, Richter, Verfahrensbeistände. Es ist ein Sammelband von Artikeln und Vorträgen, die der Autor in den letzten Jahren geschrieben bzw. auf verschiedenen Fachtagungen und Kongressen gehalten hat.

Das Fachbuch hat vier Teile, denen die einzelnen Artikel und Vorträge thematisch zugeordnet sind. Im ersten Teil »Ödipus ex – Trennung und Scheidung aus Sicht des Kindes und seiner Entwicklung« beschäftigt sich der Autor mit der Frage, was Kinder brauchen, um die Krise der Trennung ihrer Eltern zu verarbeiten. Dabei beleuchtet er die entwicklungspsychologische Bedeutung der Mutter-Vater-Kind-Triade und die Konsequenzen, wenn diese durch die Trennung der Eltern zerbricht. Er gibt Hinweise und Empfehlungen für die Praxis, wie eine »gelungene« Scheidung gestaltet werden müsste, damit sich die Kinder »trotzdem« gut weiterentwickeln können.

Im zweiten Teil »Therapie und Beratung« geht es insbesondere um die Frage, kann man Scheidungskinder überhaupt therapieren? Figdor stellt das Für und Wider dar, um dann die unterschiedlichen Perspektiven so zusammenzuführen, dass die Praxis ein Mehr an Sicherheit gewinnt. Ferner stellt er grundsätzliche Überlegungen aus psychoanalytisch-pädagogischer Sicht zur Trennungs- und Scheidungsberatung an und gibt viele wichtige Hinweise, wie Helfer mit bestimmten »Fallen« (Auftragsfalle, Versöhnungsfalle etc.) umgehen können.

Der dritte Teil »Wenn die Beratung zu scheitern droht…“ beschäftigt sich mit der Arbeit mit hochstrittigen Elternpaaren, deren Psychodynamik sowie mit den Lösungsstrategien für Helfer.

Der vierte Teil des Buches widmet sich dem Kindeswohl im familiengerichtlichen Verfahren. Hierbei geht er auf grundsätzliche Probleme psychologischer Gutachten ein, fragt danach, ob es für den Aufenthalt des Kindes einen idealen Verteilungsschlüssel gibt und beschreibt das österreichische Modell des Kinderbeistandes. Auf ein Schlusswort verzichtet Figdor und fasst stattdessen zusammen, was den Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit der Trennung und Scheidung der Eltern besonders wichtig ist.

Helmuth Figdor hat vor über 20 Jahren sein erstes Buch über Scheidungskinder und deren bewusstes und unbewusstes Erleben des Trennungsprozesses von der Zuspitzung der elterlichen Konflikte, über die Trennung an sich, die Nachscheidungsphase bis zum Leben in dann getrennten Familien geschrieben. Das zweite Buch widmete sich der Frage, welche Hilfen Kinder brauchen. Das vorliegende dritte Buch richtet sich nun im Gegensatz zu den ersten beiden Büchern an die unterschiedlichen Professionen in der Arbeit mit Scheidungsfamilien.

»Patient Scheidungsfamilie« von Helmuth Figdor ist ein absolut empfehlenswertes Fachbuch, in dem es der Autor schafft, ein vertieftes Verständnis der Kinder, Eltern und der Position der Helfer zu vermitteln.

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