Rezension zu Revolution der Seele

Psyche, 67. Jahrgang, Heft 11, November 2013, S. 1138–1144

Rezension von Michael Schröter

Auszüge aus der Rezension:

»Das Buch, das hier gewürdigt wird, ist ein großer Wurf. George Makari, Direktor des Instituts für Geschichte der Psychiatrie an der Cornell University, New York, ist der erste, der für sich in Anspruch nehmen kann, die ganze Entwicklung der Psychoanalyse bis zu ihrer Vertreibung aus Mitteleuropa im Jahr 1938 ins Auge zu fassen.«

»Ebenso überzeugt die Gliederung in drei Teile, die der Entstehung ›der Freud’schen Theorie‹, ›der Freudianer‹ und ›der Psychoanalyse‹ gewidmet sind. In diesen Überschriften werden Thesen auf den Punkt gebracht, die Makaris Gesamtbild prägen (…).«

»In der Einleitung unterstreicht Makari ein Prinzip seiner Darstellung: Freud hat sein Werk nicht als einsames Genie, sondern im Kontext vieler Vorgänger, Kollegen und Schüler geschaffen. Dieser kontextualisierende Ansatz muss heute nicht mehr offensiv vertreten werden. Aber man wird selten ein Werk finden, in dem er so konsequent verwirklicht ist. Dabei vermeidet es Makari, Freuds Leistung durch den Nachweis seiner Abhängigkeiten zu entwerten. Vielmehr gelangt er zu dem Ergebnis, dass Freud zwar zahlreiche Einflüsse aufnahm; ihre Verarbeitung aber blieb seine eigene und führte zu einer spezifischen Lehre von einzigartiger Komplexität und Wirkungskraft.«

»Viele Zusammenhänge, die er betont, sind erhellend – die Ausführungen zu den Schismen von 1911/14, zum Wechsel von einer Identität als ›Freudianer‹ zu einer als ›Psychoanalytiker‹ u.a.m. Auch im Detail wird jeder Leser Neues finden; wer kennt etwa die Stellungnahme, die Freud 1904 zu einer Reform des österreichischen Eherechts abgab? Öfters stößt man in dem Buch auf die Früchte originärer Archivrecherchen. Und es ist gespickt mit klugen, eleganten, schlagenden Formulierungen. Die Schwierigkeiten der Organisation eines breiten Materials, der Einordnung verschiedenster Aspekte biographischer, theorie-, institutions- und kulturgeschichtlicher Natur in eine fortlaufende Erzählung sind allermeist einleuchtend, manchmal glänzend gelöst.«

»Makaris Buch erfüllt ein Desiderat. Es ist so reich und umfassend, so gelehrt und klug, so gut geschrieben und klar gebaut, dass es sich wohl als Standardlektüre zum Thema etablieren wird. Eben deshalb lohnt sich eine kritische Auseinandersetzung mit ihm. Das Buch zeigt, welchen Sinn ein glänzender, wohlinformierter Erzähler in der Geschichte der Psychoanalyse, dieser prekären Wissenschaft, findet – oder auch aus eigener Machtvollkommenheit schafft.«

Die vollständige Rezension finden Sie im digitalen Klett-Cotta-Archiv der Psyche:

www.volltext.psyche.de

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