Rezension zu Das Väter-Handbuch

Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie Heft 8/2013

Rezension von Sophie Olbrich

Walter, H., Eickhorst, A. (Hrsg.) Das Väter-Handbuch

Die Zahl wissenschaftlicher Bücher über Väter hat im letzten Jahrzehnt zugenommen. Vielleicht wird verstärkt erkannt, dass sich das Wohlbefinden und die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern viel über ihre Eltern, also auch ihre Väter, definiert. Häufig bleiben die Erkenntnisse der Wissenschaftler aber im Bereich ihres spezifischen Faches verhaftet. Walter und Eickhorst versuchen in ihrem »Väter-Handbuch« hingegen, unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen zu vereinen.

Im ersten Abschnitt wird der Bereich der Evolution und Biologie beleuchtet sowie auf die Geschichte und Kultur der Väter eingegangen. Damit wird schnell deutlich, was hier die zentrale Frage zu sein scheint: Wie interpretiert der Vater auf der individuellen Ebene die Einflussgrößen der Natur, Kultur und Gesellschaft?

Um handfeste und konkrete Themen, wie die Relevanz von männlichen Pädagogen für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung, geht es im zweiten Abschnitt. Um Fragen nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu debattieren und für Gestezgebungsverfahren greifbar zu machen, muss die Vaterschaft öffentlich in ein realpolitisches Modell gepresst werden.

Der dritte Abschnitt trägt den Titel »Vaterschaft und Vatersein über die Lebensspanne«. In den Beiträgen wird beispielweise die subjektive Sicht der Väter betrachtet. In einem anderen Beitrag geht es um den Einfluss des Vaters als wichtige Bezugsperson auf die Entwicklung von Jungen. Generell wird in den Beiträgen dieses Abschnitts die Reziprozität zwischen dem Vater und seiner Umwelt deutlich.

In »Herausforderung Väterforschung«, dem vierten Abschnitt des umfangreichen Werkes, wird durch den Untertitel »männlicher Kinderwunsch, Übergang zur Vaterschaft« der Inhalt eingegrenzt. Den Autoren geht es, häufig empirisch untermauert, um die Entscheidungen von Männern hinsichtlich des Vaterwerdens oder eben Nichtwerdens. Dabei haben viele Faktoren, wie die »Männlichkeit« oder eigene Rollenvorstellungen eine Relevanz für die Entscheidungsfindung.

Der vorletzte Abschnitt, »Einladungen an Väter«, ist dem unvermittelten Einmischen der Väter gewidmet. Er enthält Beiträge zur väterlichen Einflussnahme in der Kindertagesstätte bis hin zur individuellen Ebene in der Partnerschaft.

Im letzten Abschnitt zeigen die Beiträge, wo Väter sich ganz konkret einsetzen können: Da gibt es ein Väterzentrum in einer deutschen Großstadt, die Mitarbeit beim Deutschen Roten Kreuz oder am eigenen Arbeitsplatz. Das Väter-Handbuch endet mit einem Rückblick und Ausblick des Herausgebers.

Insgesamt ist der Versuch der Herausgeber gelungen, die diversen Bereiche der Väterforschung zu vereinen. Natürlich macht es die Fülle der unterschiedlichen Beiträge unmöglich, eine gemeingültige Aussage über die gegenwärtige Situation der Väter zu erlangen. Gerade das ist jedoch eine sinnvolle Herangehensweise an das Thema Vaterschaft. Vielmehr ist das Väter-Handbuch, seinem Namen gerecht werdend, eine Art Nachschlagewerk für ganz unterschiedliche Fragen zur Vaterschaft und schafft es, sich durch die qualitativ hochwertigen Beiträge der Autoren/innen einen festen Platz im Regal der Väterforscher/innen zu sichern.

Sophie Olbrich, Berlin

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