Rezension zu »Goldmine und Minenfeld«

Gehirn und Geist 3/2013

Rezension von Julia M. Belting

Auszüge aus der Rezension:

»Inzest, Selbstzerstörung, Schuldgefühle – Autor Mathias Hirsch hat schon über einige Themen geschrieben, die mit Tabus belegt sind. Im Verheimlichen und Verschweigen sieht der Facharzt für Psychotherapie eine Gefahr: ›Je weniger gesprochen wird, desto eher wird gehandelt und desto leichter bleibt ein Handeln verborgen.‹«

»Bereits Sigmund Freud forderte Abstinenz (in der Fachsprache: sich Triebansprüche zu versagen). Dass auf Seiten des Patienten häufig Liebesgefühle aufkommen, erschien ihm nicht ungewöhnlich. Sie könnten infolge therapeutischer Prozesse entstehen und gälten daher nicht den persönlichen Vorzügen des Therapeuten.«

»An konkreten Beispielen aus der Praxis beschreibt Hirsch, wie Therapeuten die Liebesgefühle ihrer Patienten konstruktiv nutzen könnten, indem sie ihre Bedeutung ergründen, anstatt sie zu verurteilen, zu ignorieren oder auf Beziehungsangebote einzugehen.«

»Ergänzend zu vielen eindeutigen Fällen erhält der Leser auch einen Eindruck davon, auf welchen subtilen Wegen sich sexuelle Grenzverletzungen einschleichen können und wie schwierig sich im Einzelfall die Frage beantworten lässt, ab wann das Abstinenzgebot verletzt ist.«

»Das Buch vermittelt eine detaillierte Übersicht zur Entstehung von Liebe und Machtmissbrauch in therapeutischen Beziehungen sowie dem gebotenen Umgang mit etwaigen Versuchungen. Es liefert eine gute Basis für die Selbsterfahrung angehender Therapeuten sowie zur aktuellen Diskussion um sexuellen Missbrauch in Kirchen und Schulen.«

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