Rezension zu Das Bild in mir

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Rezension von Heidrun Küster

Gotschlich, Helga: Das Bild in mir : ein Kriegskind folgt den Spuren seines Vaters

Im März 1945 war der geliebte »Papa Paul« (Jahrgang 1901) zum letzten Mal bei seiner Familie in Dresden, seither galt er als verschollen und doch begleitete der Abwesende seine 1938 geborene Tochter durchs Leben. Ihre Erinnerungen an Szenen mit dem Vater und seine fortdauernde Schatten-Existenz hat sie mit dokumentarischem Material sowie Zeitzeugenberichten und Alltagsschilderungen zu einem ergreifend dichten Text verknüpft, der nicht nur die Kriegskindergeneration in Atem halten wird. Im Rentenalter machte sie sich auf, mehr über den 1951 für tot Erklärten zu erfahren. Als Historikerin verstand sie sich auf mühsame Recherche, doch was sich ihr dann eröffnete, sprengte alle Erwartungen. Ihr Buch, das in Dresdner bzw. Sachsens Bibliotheken Grundbestand sein sollte, liest sich zuletzt enorm aufwühlend – verraten sei hier nur, dass der Vater erst lang nach dem Krieg verstarb. Ein unschätzbares Zeitzeugnis, das die Folgen von Kriegstraumata beschreibt, die Gefühlswelt von Kriegskindern und ihrer Eltern und die psychische Verfassung der Nachkriegsgesellschaft.


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