Rezension zu Kommunikation in der Medizin (DVD)

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Rezension von Nina Fleischmann

Katrin Rockenbauch, Olaf Martin u.a.: Kommunikation in der Medizin

Thema
Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist ein wichtiger Aspekt in der Medizin. Allerdings steht die Vermittlung kommunikativer Kompetenzen in der ärztlichen Ausbildung noch am Anfang. Diese DVD greift das Thema auf und zeigt anhand typischer Gesprächssituationen zwischen Arzt und (Schauspiel-)Patienten grundlegende Techniken der Gesprächsführung.

Herausgeberteam
Das Herausgeberteam um Katrin Rockenbauch besteht aus (ehemalige) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Medizinischen Fakultät an der Universität Leipzig.

Die Idee zur DVD entstand in einem Gesprächsführungskurs, der an der Universität Leipzig für alle Studierenden der Medizin in der Vorklinik angeboten wird. Darin wurde der Bedarf an zeitgemäßen Filmbeispielen deutlich.

Aufbau und Ziel
Die DVD enthält 10 Filmsequenzen mit einer Gesamtlänge von etwa 90 Minuten. Die längste Aufnahme ist rund 13 Minuten, die kürzeste rund 4 Minuten lang. Zu der DVD gehört ein Booklet mit Hintergrundinformationen. Diese geben einen Einblick, wie die Filme entstanden sind und wie sie im Unterricht eingesetzt werden können. Den hauptsächlichen Einsatz sehen die Herausgeber zur Veranschaulichung von Kommunikationsthemen.

Die Hintergrundinformationen weisen die Länge der einzelnen Filme aus, bieten einen Überblick über die Situation des Patienten (auch solche, die im Gespräch nicht vorkommen) sowie Themen und Fragen für den Unterricht. Farbangaben im Booklet erleichtern das gezielte Anwählen einzelner Sequenzen auf der DVD.

Mit dem Anspruch an Realitätsnähe zur Beobachtung der Interaktionspartner wurden die Rollen der Schauspielpatienten in den Szenen in Zusammenarbeit mit Ärzten entwickelt. Die Ärzte, die die Gespräche führen, sind praktizierende Mediziner, denen diese Rollen zuvor (in den meisten Fällen) nicht bekannt waren. So sind authentische Gespräche und keine konstruierten Dialoge entstanden. Teile körperlicher Untersuchung, die im Film angesprochen werden (»Dann möchte ich Sie jetzt mal untersuchen…«), werden ausgeblendet, da hier die Kommunikation im Vordergrund steht.

Inhalt
Ziel der DVD ist es, Studierenden der Medizin Grundlagen der Gesprächsführung im Arzt-Patienten-Kontakt zu vermitteln und Unterrichtseinheiten anschaulich zu gestalten.

Die erste Filmsequenz hat den didaktischen Hintergrund, die Bedürfnisse des Patienten zu erkennen und damit umzugehen. Zudem sollen die Studierenden darauf achten, wie der Arzt den Beziehungsaufbau zum Patienten gestaltet und auf welche Art und Weise Informationen vermittelt werden.

»Herr Günther, was kann ich für Sie tun?« So beginnt der erste Film und mit einer solchen oder ähnlich offenen Frage sicher auch die meisten aller ärztlichen Anamnesegespräche. Der Patient schildert seine Beschwerden – er leidet unter Durchfall seit mehreren Tagen – und dass ihn diese beruflich einschränken. Er formuliert auch seine Erwartung an den Arzt mit: »…würde gerne von Ihnen erfahren, wie ich das loswerden kann.« Der Arzt greift den Hinweis auf den Beruf auf und erfragt die berufliche Tätigkeit, ob der Patient sich im Ausland aufgehalten habe und welche weiteren Symptome oder Begleiterscheinungen aufgetreten sind. Der Patient verneint hier. Der Arzt erfragt die Frequenz der Beschwerden und schließt eine Untersuchung an (diese wird nicht im Film gezeigt). Anschließend erläutert der Arzt seine vermutete Diagnose: »…entspricht dem, was wir jetzt sehr viel haben, also eine Infektion…« und schlägt eine Behandlung vor »…können wir das konservativ behandeln…«. Er erläutert die Maßnahmen, die der Patient in den nächsten Tagen einhalten soll (was der Patient essen und trinken darf). Als es um die Krankschreibung geht, zeigt sich, das dem Patienten wichtig ist, weiter zur Arbeit zu gehen, da er eine höchst bedeutsame Präsentation halten müsse. Der Arzt ändert daraufhin die Behandlung, in dem er doch Medikamente verschreibt, die der Patient an diesem für ihn wichtigen Tag einnehmen soll. Der Arzt erkundigt sich, ob noch Fragen offen seien, der Patient zeigt sich mit den Behandlungsempfehlungen ausreichend versorgt. Mit der Verabschiedung endet der erste Film. Dem Booklet lässt sich entnehmen, das der Patient bei Belastungen wie Prüfungen jeweils Durchfall bekomme, aber für sich hier keinen Zusammenhang sieht. Im Film äußert der Patient dies nicht. Hier kann mit den Studierenden ein Diskussionspunkt über die Zusammenhänge zwischen psychischer Belastung und somatischen Beschwerden entstehen. Zudem kann hier didaktisch der Punkt vom Umgang mit Tabuthemen aufgegriffen werden – denn wer spricht schon gerne offen und frei über Farbe und Konsistenz seiner Ausscheidungen? Für eine sorgfältige ärztliche Diagnose ist das aber notwendig.

Die Themen innerhalb der Gespräche sind vielfältig. Die ersten sechs Aufnahmen decken mit den Themen Diarrhoe, Depression, Nackenschmerzen, Diabetes mellitus, Lichtdermatose und Laktoseintoleranz allgemeinmedizinische Bereiche ab. Bei zwei weiteren Aufnahmen wird das gleiche Thema auf zwei verschiedene Arten (krankheitszentrierte und patientenzentrierte Gesprächsführung) gezeigt. Die (Schauspiel-)Patienten werden im Anschluss über ihre Zufriedenheit mit dem Gesprächsverlauf befragt. Die vorletzte Sequenz zeigt ein OP-Aufklärungsgespräch. Die letzte Aufnahme geht auf die Vermittlung einer infausten Prognose ein.

Diskussion
Das Arzt-Patienten-Gespräch ist für die Anwendung des im Studium erlernten medizinischen Wissens immens wichtig. Dabei ist eine gute Gesprächsführung nicht angeboren, sondern genau so wie andere Kompetenzen trainier- und lernbar. Diese DVD leistet einen wichtigen Beitrag zum Erlernen kommunikativer Kompetenzen. Eingebettet in einen Lehrplan, der die Analyse solcher Filmsequenzen wie auch Rollenspiele für die persönliche Erfahrung vorsieht, erhalten die Studierenden eine gute Basis für die Entwicklung ihrer kommunikativen Kompetenzen.

Für die Lehrenden bietet die DVD eine anregende Möglichkeit zur Gestaltung der Lehre. Die Filme können als Einstig in ein Thema zu Beginn einer Unterrichtseinheit oder am Ende zur Zusammenfassung gezeigt werden. Es muss nicht immer die gesamte Länge betrachtet werden, auch einzelne Szenen sind zum Verdeutlichen geeignet. Die Lehrenden sollten vor dem Einsatz der Filme überlegen, wie das Lernziel für die Einheit sein soll und welche Sequenz hier wirkungsvoll unterstützen kann. Gut finde ich, das in dem Booklet die Möglichkeiten zur Auswertung der Filme angeregt werden (in Kleingruppen, in einem stummen Dialog auf Papier, als Brainstorm an der Tafel etc.). Hier finden Anfänger in der Lehre reichlich Hinweise, denn nicht jeder Lehrende im Medizinstudium kann neben dem rein fachlichen auch einen breiten didaktischen Hintergrund aufweisen.

Fazit
Die DVD stellt eine wertvolle Grundlage für die Erarbeitung des Kommunikations-Themas in der ärztlichen Ausbildung dar. Praxisnah und didaktisch gut aufbereitet kann damit Einstieg und Vertiefung der Lehreinheit »Arzt-Patienten-Gespräch« sehr gut gelingen.

Rezensentin
M.A. Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft

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