Rezension zu Ein Junge namens Sue

Lesbenring-Info 1/2012

Rezension von Elke Heinicke

Alexandra Köbele: Ein Junge namens Sue

Was wäre, wenn Sie ein anderes Geschlecht hätten? Wie würde Ihr Leben dann verlaufen? – so fragt der Klappentext des Buches der Psychologin, Familien- und Theaterpädagogin Alexandra Köbele. Eine Frage, die so ungewöhnlich gar nicht ist. Wohl viele haben den Geschlechterwechsel zumindest in der Vorstellungswelt ausprobiert. Mit Grauen erinnere ich mich zum Beispiel an die Tage meiner Kindheit, an denen ich gezwungen wurde, Mädchenkleidung anzuziehen; mit Stolz habe ich dagegen mein erstes »echtes« Jungenhemd getragen. Zur Trans_person hat mich das alles allerdings nicht gemacht, wohl aber Genderrollen infrage stellen lassen.

Was bringt also Menschen dazu, »die Seiten« komplett wechseln zu wollen? Die Autorin stellt fünf Transpersonen mit ihren Lebensgeschichten vor, sowohl Transmänner, als auch Transfrauen.

Was das Buch aber so außergewöhnlich macht, ist die persönliche Positionierung der Autorin. Selbst zissexuelle (nicht-trans) Lesbe, stellt sie sich (und den Leserlnnen) genau die Fragen, die mich schon immer an diesem Thema interessiert haben: Was ist eine Frau, was macht einen Mann aus? Gibt es nicht ein Kontinuum zwischen beiden Polen? Erschüttern Trans_personen die Mann-Frau-Dualität oder festigen sie sie gar? Benutzen wir Transsexuelle als Hoffnungsträger queerer Politik und weisen ihnen damit eine Rolle zu, die sie gar nicht haben wollen? Ist Transsein Schicksal oder Entscheidung und ist es überhaupt wichtig, nach Gründen für Transsexualität zu suchen? Leider werden meiner Meinung nach den Interviewten diese wirklich entscheidenden Fragen nur am Rande gestellt.

Fazit: Ein erfrischend anderes Buch über Transsexualität, das eine Menge Fragen zum Weiterdenken aufwirft.

Offen blieb bei mir als Leserin übrigens noch die folgende Frage: Warum kriegen die Zissexuellen nicht auch so einen allumfassenden Unterstrich?

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