Rezension zu Tinnitus

Tinnitus-Selbsthilfe-Arbeitsgemeinschaft e.V., www.tisag.de

Rezension von Bernd Weßels

Michael Tillmanns Sachbuch »Tinnitus« fesselt: Nicht nur Tinnitus-Betroffenen liefert der Bremer Psychotherapeut und Psychoanalytiker erhellende Einsichten in die zahlreichen Facetten der Krankheit.

Tillmann verknüpft den Tinnitus mit geschichtlichen, religiösen und politischen Aspekten. Er beruft sich auf bekannte psychologische Schriften wie z.B. die französische psychosomatische Schule: pensée opératoire, Schurs, Mitscherlich und vermittelt Zugang zu den Denkmodellen, die den unterschiedlichen Tinnitus-Therapien zugrunde liegen. Wichtig dabei: Die Betroffenen, die Selbsterfahrung der Patienten stehen im Vordergrund. Tillmann zeichnet die unterschiedlichen Erfahrungsebenen der Krankheit mit deutlichen und nachvollziehbaren Konturen nach. Er spart dabei seine Empfindungen als Therapeut nicht aus. So schildert er eine Begegnung mit einem Tinnitus Patienten. Er beschreibt diesen als sehr dominant und wörtlich zitiert er »Er (Tillmann) fühlt sich überrollt« oder auch »Ich komm nicht hinterher«. Vor allem die Entstehung der Tinnitus-Erkrankung beschäftigt den Autor. Er sucht die Wurzel, sucht nach Ursachen und stellt sich damit gegen eine »Überführung des Patienten in eine Medizin des Messens und der Chemie«. Seine Kritik an angebotenen Therapie- und Hilfsmitteln ist die logische Konsequenz. So vergleicht Tillmann Informationsveranstaltungen mit »Verkaufsveranstaltungen«. Eine der vielen Schilderungen, die in Selbsthilfegruppen sicher für anregende Gesprächsrunden sorgen wird.

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