Rezension zu Kinderheim Baumgarten

Soziale Arbeit, 3/2011

Rezension von Heidi Koschwitz

Der Autor eröffnet den Leserinnen und Lesern ein historisch bedeutsames, aber bislang wenig verstandenes Modell psychoanalytisch orientierter Fürsorgeerziehung für die aktuellen sozialpädagogischen Diskurse. Siegfried Bernfelds »Versuch mit neuer Erziehung« im Kinderheim Baumgarten ist zunächst ein Mittel im Kampf um gesellschaftliche Veränderung. Der erziehungswissenschaftliche Ertrag besteht in einer systematischen Begründung eines sozialpädagogischen Konzepts, in dessen Zentrum die Schulgemeinde steht. Ontogenetisch argumentierte Bernfeld mit einer psychoanalytisch fundierten Bildungstheorie, phylogenetisch mit einer Art evolutionstheoretischer Moralgeschichte. Bernfeld erkannte, dass die verwahrlosten Kinder im Kinderheim Baumgarten wichtige Voraussetzungen zum Aufbau einer Schulgemeinde nicht mitbringen. Ein wesentlicher Anteil seiner theoretischen Überlegungen fokussierte diese impliziten Voraussetzungen bürgerlicher Pädagogik unter dem Begriff »Erziehbarkeit«. Der wenig fortgeschrittene Sozialisationsgrad zwang Bernfeld zu Improvisationen, die letztendlich das Spezifische der Schulgemeinde in der Jugendfürsorge begründeten.

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