Rezension zu »Mein Körper gehört mir … und ich kann mit ihm machen, was ich will!«

Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 2/2011, www.sanp.ch

Rezension von Susanne Kunz-Mehlstaub

Die Bedeutung des Körpers in der Psychoanalyse wird von M. Hirsch nun schon seit gut 20 Jahren mit verschiedenen Publikationen konsequent verfolgt. Mit Erscheinen dieses Buches liegt nun eine Überarbeitung und umfangreiche Ergänzung des Werks von 1998, »Der eigene Körper als Objekt«, vor. Das vorliegende Werk wurde mit Ergebnissen der neueren Säuglings- und Bindungsforschung ergänzt. Sechs größere und übersichtliche Kapitel ermöglichen eine schnelle Orientierung und ein gezieltes Nachschlagen zu ausgewählten Themen der Psychodynamik und Pathologie des Körpers. Im ersten didaktisch gut aufbereiteten Kapitel »Körperdissoziation« wird in die Abwehrmechanismen der Körperpathologie und -inszenierungen eingeführt. Viele Beispiele aus Mythologie und Märchen veranschaulichen die theoretischen Grundlagen. In den weiteren Kapiteln zu Körperinszenierungen, Selbstbeschädigung, Essstörungen, Hypochondrie und unerwünschtem Kinderwunsch folgen viele konkrete Beispiele. Im umfangreicheren Kapitel Essstörungen wird die schwierige Dynamik der Täter-Opfer-Beziehung von Körper und Selbst eindrucksvoll herausgearbeitet. Zum Thema des unerwünschten Kinderwunsches wäre sicher eine umfangreichere Publikation lohnenswert. Neben den ausführlichen Literaturhinweisen aus den Bereichen Kunst und Analyse schildert der erfahrene Autor, Analytiker und Kliniker zahlreiche kasuistische Beispiele aus der alltäglichen Praxis, die den Leser an eigene Fälle erinnern und diese nach der Lektüre neu betrachten und einordnen lassen. Erwähnenswert ist das Eingehen des Autors auf die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie, womit die Bedeutung der Gruppentherapie als Behandlungsform gewürdigt wird. Das vorliegende Buch ist ein wichtiger Beitrag zum Thema »Der Körper in der Analyse«: spannende und anregende Fachliteratur für Anfänger wie erfahrene Berufskollegen.
www.sanp.ch

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