Rezension zu Das Innere-Kinder-Retten

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Rezension von Günther Matthes

Die Fähigkeit des Gehirns mittels Vorstellungen, Imagination, Selbstheilungskräfte zu aktivieren – beispielsweise beim sog. Placebo-Effekt – machte sich die Psychotherapeutin Gabriele Kahn in ihrer Arbeit mit komplextraumatisierten Patienten zur Entwicklung einer schonenden Methode der Traumatherapie zunutze – dem »Innere-Kinder-Retten«. Dabei wertete sie ihre Erfahrung mit den Selbstheilungskräften ihrer Patienten aus und führte bereits bewährte imaginative Methoden weiter und perfektionierte sie. Ihren Patienten erspart sie somit ein oft peinigendes erneutes Durchleben der Traumatisierung um die abgespaltenen Persönlichkeitsanteile zu integrieren und die Symptome zum Verschwinden zu bringen.
Der ausführlichen Darlegung ihrer Methode stellt Kahn die unterschiedlichen Formen von Traumatisierung voran, neben der eigentlichen durch die Täter (Trauma A) die durch Mittäter, Mitwisser, welche das Opfer im Stich gelassen haben (Trauma B) und schließlich die Selbstbeschuldigungen durch »Täterintrojekte« der Traumatisierten selbst (Trauma C). Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sieht sie sowohl im Abbrechen des Kontakts zu Tätern als auch zu Mittätern. Weiter zeigt Kahn, dass die Selbstheilungskraft unbewusst »genial« tätig war, um Traumatisierungen zu überleben und bestdosiert zu verarbeiten und somit ein »normales« Leben zu führen – allerdings beeinträchtigt durch eine Reihe mehr oder weniger quälender Symptome, welche den Betroffenen und ihrem Umfeld oft rätselhaft sind, beispielsweise ein »durchgängiges Lebensgefühl des Ausgeschlossenseins von der Welt und allen anderen Menschen« oder das unerklärliche Gefühl von »Selbstentfremdung und Selbstabwertung«.
Gabriele Kahn legt mit ihrem flüssig geschriebenen, leicht lesbaren Buch sowohl eine Anleitung für Therapeuten als auch eine Orientierung für Laien vor. Dabei beachtet sie, auch mit ihren Lesern schonend umzugehen und ist darauf bedacht gegebenenfalls keine traumatischen Zustände bei ihnen (wieder) auszulösen.

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