Rezension zu Schuldbewusstsein und reale Schuld

Soziale Arbeit 11/2010, Zeitschrift für soziale sozialverwandte Gebiete

Auf einer Tagung der Kommission Psychoanalytischer Pädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft wurden im Herbst 2008 Fragen der ethischen Problematik von Schuld diskutiert, die den Ausgangspunkt dieses Buches bilden. Neben einer psychoanalytisch orientierten Beschreibung verschiedener Varianten von Schuldgefühlen wird das von dem Mitherausgeber Jürgen Körner nach britischem Vorbild konzipierte Denkzeit-Training vorgestellt, eine bereits in der Sozialen Arbeit eingesetzte Methode, um delinquente Jugendliche bei der Entwicklung sozialkognitiver Kompetenzen wie Empathie und moralischem Urteilsvermögen zu unterstützen. Als Praxisbeispiele der pädagogischen Arbeit im Strafvollzug dienen der Fall eines wegen Körperverletzung inhaftierten Jugendlichen und eine aufgezeichnete Gruppentherapie von 16 Sexualstraftätern. Auch die Einflüsse der Adoleszenz auf die Wirkmächtigkeit von Schuldgefühlen, die Vergabe von Ritalin an Kinder und familiäre Verpflichtungen gegenüber den Eltern finden Berücksichtigung. Weitergehende Dimensionen des Themas erhellen theologische und philosophische Betrachtungen, eine Diskussion jugendstrafrechtlicher Verfahrensweisen sowie literarisch gestützte Überlegungen zur Auseinandersetzung der in den 1940er-Jahren geborenen Deutschen mit der »Schuld der Väter« im Zweiten Weltkrieg.

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