Rezension zu Ekel als Folge traumatischer Erfahrungen

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Rezension von Kathleen Kühne

Der vorliegende Titel ist ein Sammelband der Beiträge des, wie auf dem Einband zu lesen ist, weltweit ersten Symposium, dass sich ausschließlich mit »Ekel« beschäftigte. Herausgeber ist Dr. Ralf Vogt, welcher Leiter des Trauma-Institutes-Leipzig (zugehörig zur Leipziger Akademie für ganzheitliche Psychotherapie) ist.

Motivation:

Inhalt:

Der Sammelband ist in 6 Hauptteile gegliedert
1 – Grundlagen und Übersichten zur Bedeutung des Ekelgefühls in den verschiedenen Feldern von Psychotherapie und Gesellschaft: In diesem ersten Kapitel steht im Prinzip der Körper im Mittelpunkt. Als kurze Schlagworte könnten u. a. Auslöser von Ekel, Epidemiologie, Gesellschaftliche Bedeutung, Ekel in der Psychosomatik und Emotionsregulation genannt werden.

2 – Therapiekonzepte, Behandlungsmethoden und Fallberichte zum professionellen Umgang mit Ekelgefühlen Abwehrmechanismen: In diesem Abschnitt wird zum Bespiel das vom Herausgeber Dr. Ralf Vogt und seiner Frau Irina entwickelte Behandlungskonzept SPIM-20-KT erläutert und Übungen auch durch Bilder visualisiert. Abbildungen sind immer gut und auch wenn sie im vorliegenden Titel schwarz-weiß gehalten und teilweise sehr klein sind, empfinde ich sie doch als sehr aussagekräftig und wertvoll.

3 – Ausgewählte Problemfälle der Behandlung von Ekelgefühlen in der psychotraumatisch-analytischen Praxis: Wie der Titel schon vermuten lässt, werden Fallberichte dargestellt, die sich u.a. mit Themen wie Ekelgefühle in der Mutterrolle, Borderline-Störungen und dissoziativen Störungen befassen. Besonders die sehr persönliche Schreibweise der Autorin Irina Vogt zeigt dem Leser, dass der jeder einzelne Traumapatient im Mittelpunkt steht und eine sehr behutsame Behandlung bedarf.

4 – Spezielle Forschung zum Ekelgefühl bei dissoziativen u.a. Psychotraumapatienten: Dieses Kapitel von Dr. Ralf Vogt beinhaltet die Vorgehensweise, Ergebnisse und Analyse der »Pilotstudie zum Erleben von Ekel bei komplex-traumatisierten/dissoziative Patienten in der ambulanten Praxis«

5 – Spezielle Vorgehensweise zur Prävention, körperpsychotherapeutischen Annäherung und stufenweisen Kompensation von Ekelgefühlen: Ich denke dieser Abschnitte soll eine Hilfestellung sein und Möglichkeiten aufzeigen. Es wird u.a. das SAFE-Trainingsprogramm des Psychotrauma-Zentrum-Leipzig e.V. vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein Programm für Eltern, welches eine stabile Eltern-Kind-Bindung fördern soll. Davon hatte ich vorher noch gar nicht gehört, aber die Inhalte waren doch sehr überzeugend.

6 – Selbstberichte von Klienten im Kontext – Ekel, Scham und Aggressionsbewältigung: Diesen letzten Teil empfand ich als sehr ergreifend. Zwei Patienten beschreiben auf offene und ehrliche Weise ihre Erfahrungen, Gefühle und Schwierigkeiten während der Therapie.

Am Ende des Buches befindet sich noch ein Autorenverzeichnis mit den entsprechenden Arbeitsgebieten und Email-Adressen.

Ich halte es nicht für die leichteste Aufgabe die Beiträge eines Symposiums derartig zu verknüpfen, dass für den Leser ein roter Faden entsteht, aber empfand mich beim Lesen gut aufgehoben. Es wurde sehr viel aus dem Thema herausgeholt und dieses wurde auch sehr anschaulich beschrieben. Es werden zahlreiche Beispiele angeführt, die, denke ich, auch dem interessierten Laien das Verstehen ungemein erleichtern. Besonders lobenswert sind die vielfältigen zusätzlichen Betrachtungsweisen des Themas: Von Epidemiologie über Ekel in der Kunst bis hin zur Neurobiologie, um nur ein paar wenige zu nennen, sind zahlreiche Exkurse vorhanden. Wie auf dem Einband zu lesen ist, wurde das Thema »Ekel als Folge traumatischer Erfahrungen« in der Vergangenheit »sträflich vernachlässigt« und ich denke, dass sich angehende Therapeuten einen Gefallen erweisen, wenn sie dieses Werk als Einstieg für ein besseres Verständnis traumatisierter Patienten zu Rate ziehen.

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