Rezension zu »Ich sehe was, was du nicht siehst«

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Rezension von Antje Weber

Theo Piegler stellt in seinem neu erschienenen Buch »Ich sehe was, was du nicht siehst- Psychoanalytische Filminterpretationen« unterschiedliche Kinofilme, aus psychoanalytischer Sicht betrachtet zusammen. Es ist der Nachfolgeband nach seinem Buch »Mit Freund im Kino«, das im Jahr 2008 erschienen ist.

In der heutigen Zeit von Kino, Fernsehen, DVDs, Internet usw. kennt jeder viele Filme, man muss nicht mehr extra ins Kino gehen, um einmal im Monat einen Spielfilm schauen zu können. So ist natürlich auch deren Auswirkung auf uns nicht zu verachten.
Theo Piegler hat dreizehn große Spielfilme der letzten 50 Jahre zusammengefasst und endlich auch einmal deren Hintergrund (natürlich aus psychoanalytischer Sicht betrachtet) und Wirkung auf den Zuschauer beleuchtet.

Anfangs stellt er seine sieben Hamburger Kollegen (erfahrene Psychoanalytiker und/ oder tiefenpsychologisch fundiert arbeitende Psychotherapeuten), sowie die vorzustellenden Filme vor.

Die Filme werden psychoanalytisch erläutert von Susanne Kaut, Klaus Augustin,
Karl- Heinz Borns, Gabriele Hohage- Staudt, Gabriele Ramin, Mathias Kohrs, sowie auch von Theo Piegler selbst.
Der Leser erlangt neue Erkenntnisse über folgende Filme:
- das Fenster zum Hof
- das verflixte 7. Jahr
- Fanny und Alexander
- Terminator
- Mary Shelleys Frankenstein
- Titanic
- das Fest
- Billy Elliot- I will dance
- Küss mich, Tiger!
- der Herr der Ringe
- the black dahlia
- das Parfum
- das Haus der schlafenden Schönen

Alle besprochenen Filme sind sehr bekannt, aber auch wenn man ein Werk noch nicht gesehen hat, wird von dem jeweiligen Autor eine kurze aber ausreichende Einführung in die Handlung gegeben. Die Auswahl der Filme ist sehr weitgreifend (1954 bis 2006, chronologisch dargestellt), es wird also der Leser jeden Alters auf jeden Fall mindestens einen der Filme auch schon vor der Lektüre des Buches gesehen haben.

Vor den einzelnen Filmen geht der Herausgeber, Theo Piegler, auf ein Thema, das sich durch einen Großteil der heutigen Blockbuster zieht, ein- den Suizid im Film, über den es noch fast keine Arbeiten gibt, obwohl es, wie Piegler eindrucksvoll erläutert, mehrere staunenswerte Beispiele in der Vergangenheit gibt, in denen genau dieser Suizid im Film weitgreifende Folgen hatte (besonders bemerkenswert die Fernsehserie »Tod eines Schülers« oder auch älter »Die Leiden des jungen Werther«).
Sehr interessant sind in diesem ersten Kapitel die herangezogenen Statistiken (die Diagramme sind auch abgedruckt), die zeigen, wie stark der Suizid im Film in den vergangenen Jahren angestiegen ist und wie dies im Zusammenhang mit den real stattgefundenen Suiziden im Zusammenhang steht. Außerdem ist unter anderem auch eine Pulsfrequenz Kurve bei einem Schreckmoment im gesehenen zu sehen.

Nach diesem wirklich aufschlussreichen Vorgeschmack kommen nun die einzelnen herangezogenen Autoren mit ihren Ausführungen der einzelnen Spielfilme chronologisch zu Wort, die abschließend noch einmal kurz vorgestellt werden.

Das Buch ermöglicht eine ganz neue Herangehensweise an die besprochenen Spielfilme, nach jedem Kapitel bekommt man Lust, den Film sofort noch einmal anzuschauen, mit dem neu errungenen Wissen im Hinterkopf. Nicht nur für den psychoanalytisch versierten Leser ist das Buch verständlich, auch wenn man nur die Grundzüge dieses riesigen Themas kennt, wird man Spaß an diesem Buch und seinem modernen, nicht so stupiden Umgang mit der Psychoanalyse haben. Es stellt eine gute Übung des psychoanalytischen Wissens dar, bei der man auch noch Spaß hat und den nächsten Kinobesuch wahrscheinlich anders erleben wird.

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