Rezension zu Film und Psychoanalyse

Deutsches Ärzteblatt, Juni/2009

Rezension von Ingrid Barley

Lesen Sie Auszüge aus der Rezension

»Spielfilme im Kino dienen meistens der Unterhaltung und dem Zeitvertreib - mit unterschiedlich hohem Anspruch an Inhalt und Darstellung. Bedeutsame Filme können jedoch auch als Ausdruck des Unbewussten der Kultur angesehen werden.«

»Das Buch will »mittels der psychoanalytischen Betrachtung von Filmen ein Stück Kultur-Psychoanalyse leisten«. Zehn Autoren wurden gebeten, Filme der letzten 15 Jahre vorzustellen und psychoanalytisch zu reflektieren (zum Beispiel »Lola rennt«, »Dogville«, »Mar Adentro; das Meer in mir«).

»Die Abwehr in Form von individueller, kollektiver und medialer Verdrängung sowie ihre Auswirkung auf die Identität bilden den thematischen Hintergrund weiterer Beiträge. Besonders eindrucksvoll liest sich die Analyse des Films »Caché«. Am Beispiel eines erfolgreichen Literaturkritikers wird gezeigt, wie die individuelle Verdrängung einer Schuld aus Kindertagen überlagert wird von der kollektiven Verdrängung einer politischen Schuld durch die französische Gesellschaft, die in der kolonialen Vergangenheit des Landes wurzelt. So entsteht ein eindrucksvoller Beitrag, wie ohne Bewusstmachung und Bearbeitung ein Transgenerationskonflikt von einer Generation zur anderen weitergegeben wird. Leider erfährt der Leser nicht, welcher Generation die einzelnen Autoren angehören. Dennoch gewinnt er sicherlich Anregungen und Erkenntnisse, wenn er sich auf dieses vielseitige Buch einlässt.«

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