Rezension zu Beziehung und Bildung in der kindlichen Entwicklung

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Rezension von Jasmin Göttinger

Allgemein:
Rezensiert wird das 194 Seiten umfassende Buch »Beziehung und Bildung in der kindlichen Entwicklung - Psychoanalytische Pädagogik als kritische Elementarpädagogik« von Thilo Maria Naumann, erschienen beim Psychosozial-Verlag, Erscheinungsjahr 2010.

Naumann gelang mit diesem Buch, welches in verständlicher Sprache verfasst wurde, ein spannendes und zugleich informatives Werk für alle Berufsgruppen im pädagogischen und psychologischen Berufsfeld sowie für engagierte und interessierte Eltern und Jugend- bzw. Sozialarbeiter, die bereit sind ihre herkünftigen Methoden und Erziehungsstile kritisch an zusehen.
Die Umschlagsabbildung ist übrigens aus »Wo die wilden Kerle wohnen« von Maurice Sendak.

Der Autor geht in diesem Buch anschaulich und auf verschiedenen Ebenen folgenden Fragen nach »Was ist Kindheit? Was zeichnet ein glückliche Entwicklung und gelingende Bildung in der Kindheit aus? Und welcher erzieherischer Rahmen müsste dafür von den Erwachsenen, von der Gesellschaft bereitgestellt werden?« So einfach die Fragen auch formuliert werden können, desto umfassender und komplizierter die Antworten. Dem Autor gelang es allerdings, das Thema aufzudröseln und Schritt für Schritte dem Leser einen Durchblick durch die komplexen Sachverhalte zu verschaffen und damit ganz automatische zu einem Umdenken des eigenen Erziehungsstils führt.

Mit Schaubildern verdeutlicht Naumann die Zusammenhänger der verschiedenen Personen und deren Absichten.
In dem beschriebenen Fallbeispiel »Umgang mit Aggressionen« zeigt der Autor tabellarisch die Zusammenhänge zwischen einer traumatischen Familiensituation und dem daraus resultierenden Verhalten des Kindes.
Ich hätte mir allerdings weitere Fallbeispiele aus verschiedenen Gebieten gewünscht, so dass ein breit gefächertes Repertoire von Alltagssituationen analysiert und überdacht werden könnten.

Als sehr übersichtlich erwies sich, dass die Fußnoten jeweils auf der dazugehörigen Seite notiert wurden, so bleibt ein lästiges Hin-und-Her-Blättern erspart. Ebenfalls sehr gut finde ich die ständigen Hinweise auf Vergleichsliteratur und die dazugehörigen Seitenabgaben – zum Nachschlagen und Vertiefen einfach nur genial!

Persönliches Resümee:
Als persönliches Resümee kann ich nur sagen, dass mich der Titel und das Fachgebiet wirklich sehr interessieren und ich als Ergotherapeutin teilweise auch berufliche Vorkenntnisse und Fachwissen habe, die allerdings durch dieses Buch aufgefrischt, ergänzt und nochmals meinen Blick geschärft haben, auch meine erzieherischen Methoden zu überdenken und nicht immer nur fördern, fördern fördern in den Mittelpunkt stellen, sondern die persönliche Beziehung als Basis setzen. Ich stelle diesen Buch auf mein Regalbrett »gute Fachliteratur – unbedingt nochmals lesen«.


Zum Inhalt:
Der Inhalt gliedert sich folgendermaßen auf:

Einführung

I. Kindliche Entwicklung
1. Sozialisationstheorie – Ein interdisziplinärer Ansatz
2. Die klassische Psychoanalyse – Eine kritische Würdigung
3. Kindliche Entwicklung reloaded

II. Gesellschaft, Subjektivität und Soziale Arbeit
1. Gesellschaftliche Verhältnisse heute
2. Kritik »erfolgreicher« Subjektivität
3. Soziale Arbeit zwischen Ökonomisierung und Emanzipation

III. Kindheit heute: Gesellschaftliche Kontexte und psychosoziale Folgen
1.Sozialisation in der Familie
2. Geschlechtersozialisation
3. Interkulturalität und Rassismus
4. Fernsehen als Sozialisationsfaktor

IV. Psychoanalytische Pädagogik als kritische Elementarpädagogik
1. Kleine Geschichte Psychoanalytischer Pädagogik
2. Selbstbildung und Verständigung
3. Entwicklungsbündnis, Optimalstrukturierung, szenisches Verstehen
4. Fallbeispiel: Zum Umgang mit Aggression
5. Psychoanalytische Pädagogik in der Kindertageseinrichtung
6. Psychoanalytische Pädagogik im Situationsansatz

V. Qualitätsentwicklung
1. Was ist Qualität?
2. Dialogische Evaluation

Resümee

Literatur



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