Rezension zu Tabuzonen der Frauen- und Männergesundheit

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Rezension von Lisa Flach

Das Buch »Tabuzonen der Frauen- und Männergesundheit – Psychosoziale Perspektiven«, das von Dieter Kleiber, Sabine Grüsser, Nina Knoll und Elmar Brähler herausgegeben wird, erschien in der Originalausgabe 2009 im Psychosozial- Verlag.

Es wurde zu Ehren des Medizinpsychologen Prof. Dr. Hans Peter Rosemeier, der 2006 verstorben ist, zusammengestellt und soll die Diskussion in einem zentralen Arbeitsgebiet der Medizinischen Psychologie, nämlich dem der psychosozialen Aspekte tabuisierter Bereiche der Frauen- und Männergesundheit, fortführen. Prof. Dr. Rosemeier, ein ungewöhnlicher Wissenschaftler – so die Herausgeber dieses Buches, gilt als Wegbereiter auf dem bis jetzt wenig beforschten Gebiet der psychosozialen Aspekte der tabuisierten Frauen- und Männergesundheit.

Dieses hoch bedeutsame Themenfeld der medizinischen Psychologie beleuchten Freunde, Kollegen, Schüler und wissenschaftliche Wegbegleiter von Prof. Dr. Hans Peter Rosemeier, die in diesem Feld als Diplom- Psychologen, Psychotherapeuten oder Professoren vorwiegend am Institut für medizinische Psychologie oder am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin in Berlin und Leipzig arbeiten.
Als besonders intim- relevant gelten üblicher Weise alle Probleme, die mit dem Genital- oder dem Analbereich zusammenhängen, sowie verletzte oder entstellte Körperteile oder Körperfunktionen. In dem vorliegenden Buch sollen die psychosozialen Aspekte von drei verschiedenen Tabubereichen beleuchtet werden, in denen Aspekte der Frauen- und Männergesundheit besondere Fragen aufwerfen:
Der erste Teil befasst sich unter der Überschrift »Körperbild und Körperfunktionen von Frauen und Männern« in fünf Kapiteln mit den Themen Piercing und Tattoo, Herstellung von Weiblichkeit mittels Genitalchirurgie gestern und heute aus medizinpsychologischer Perspektive, Scham und Menopause: Die Wechseljahre als Phase des Wandels und Auslöser von Schamgefühlen, Maskulinität und Maskulinitäten sowie Harninkontinenz beim Mann.

Im zweiten Teil geht es dann um Tabus bei der Sexualität. Kapitelthemen sind hier Sexuelle Präferenz- und Verhaltensstörungen, Störungen der sexuellen Funktionen unter besonderer Berücksichtigung der Erektionsstörung, Weibliche Sexualität – Individuum und Kultur sowie Brustkrebserkrankung und partnerschaftliche Sexualität.
Der kurze dritte Teil geht näher auf die Tabubereiche Emotion und Verhalten ein. Die beiden Kapitel hier befassen sich mit den Themen Verhaltenssucht bei Frauen sowie »Männer als Opfer von Gewalt – ein Tabuthema?«.

Die Kapitel sind alle individuell gestaltet und unterscheiden sich in Schreibstil und Aufbau sehr von einander. In manchen Kapiteln geben die Autoren zu Beginn lange historische Abrisse oder Definitionen, andere beginnen gleich unvermittelt mit dem Thema. Manche Autoren stellen eigene Forschung zu dem Thema vor, andere tragen zusammen, was an Erkenntnissen auf diesem Gebiet vorhanden ist und decken weiteren Forschungsbedarf auf. Während ein Teil der Kapitel in einem netten, leicht lesbaren Stil geschrieben ist, schwirrt es in anderen nur so von Fremdwörtern und Fachbegriffen. Teilweise sind – ganz im Sinne eines wissenschaftlichen Papers – Tabellen und Graphiken mit Studienergebnissen eingefügt, so dass der Leser zwischen Fließtext und Tabellen hin und her springen muss. Auch der inhaltliche Gehalt der Kapitel variiert.

Insgesamt stellt das Buch kurz und knapp einige interessante und teilweise überraschende psychosoziale Aspekte der tabuisierten Frauen- und Männergesundheit vor, so dass der Leser einen Einblick in dieses ansonsten doch recht wenig präsente Themengebiet bekommt.

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