L. Vesny-Wagner

Optativ und Konjunktiv in der Psychoanalyse

Psyche, 1972, 26(2), 126-148

Cover Optativ und Konjunktiv in der Psychoanalyse

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Verlag: Klett Cotta/Psychosozial-Verlag

Erschienen im Januar 1972

Bestell-Nr.: 53627

Am besonderen Fall eines Patienten, der fehlerfreies Englisch sprach, was Tempi und Modi anbelangt, aber offenbar deutsch dachte, wird ein Patiententypus beschrieben, dessen Umgangsfähigkeit mit bestimmten grammatischen Formen gestört ist. Die Autorin möchte damit zugleich einen ersten Beitrag zu einer psychoanalytischen Klärung der im frühkindlichen Sozialisationsprozeß erworbenen Voraussetzungen der Aneignung und des Gebrauchs grammatischer Formen (bzw. zur Klärung des psychologischen Sinnes dieser Formen) leisten. Ihre These ist, daß die psychischen Dimensionen und grammatischen Formen der einzelnen Tempi und Modi im Zusammenhang mit dem Individuationsprozeß stehen, der von der symbiotischen Nicht-Zeit (Vor-Zeit) des Säuglings zum Bewußtsein einer persönlichen Identität führt, wobei das vergangene Leben als Vorbedingung und die Gegenwart als Vorbereitung der Zukunft erscheint. Traumatische Einflüsse können zur Abwehr der Individuation und damit zur Unfähigkeit führen, Gegenwart zu erleben und eine Zukunft (lustvoll) zu antizipieren. Bei dem beschriebenen Patiententypus tritt das psychische Defizit im Aufbau des Zeiterlebens als grammatisches in Erscheinung. Das psychische Präsens wird nicht bewältigt. Die Gegenwart wird zum Vakuum einer Anti-Zeit, die Zukunft erscheint als Verhängnis-Futur.