Christian Schneider

Jenseits der Schuld? Die Unfähigkeit zu trauern in der zweiten Generation

Psyche, 1993, 47(8), 754-774

Cover Jenseits der Schuld? Die Unfähigkeit zu trauern in der zweiten Generation

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Verlag: Klett Cotta/Psychosozial-Verlag

Erschienen im Januar 1993

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Die größtenteils zustimmende Resonanz, auf die Tilmann Mosers Kritik von A. und M. Mitscherlichs Buch Die Unfähigkeit zu trauern (in Psyche 1992, 46 (5)) gestoßen ist, legt den Verdacht nahe, dass Moser damit im Zentrum des Zeitgeistes angekommen ist: Es soll umgedeutet und revidiert werden, was vor 25 Jahren von den Mitscherlichs eingeklagt worden war, nämlich die Anerkennung der eigenen Schuld und Einfühlung in die Opfer deutschen Vernichtungswillens. Gegenüber Mosers Forderung nach einer strikten Trennung von Therapie, Moral und Empathie für die ins Verbrechen Verstrickten wird gezeigt, dass gerade die moralisch dekontextualisierte Psychoanalyse für heteronome Zwecke dienstbar gemacht werden kann. Das große Verdienst der Mitscherlichs wird darin gesehen, nach den Verbrechen des Nationalsozialismus an Millionen von Menschen jenen moralischen Kontext wiederhergestellt zu haben, ohne den Psychoanalyse zu einer gesellschafts- und politikfernen Therapiemoral verkommt. (c) Psyindex.de 2009 alle Rechte vorbehalten