Christine Morgenroth, Nele Reuleaux

»... denn sie wußten, was sie taten.« Über die Sichtbarkeit des Unsichtbaren

Psyche, 2004, 58(3), 272-281

Cover »... denn sie wußten, was sie taten.« Über die Sichtbarkeit des Unsichtbaren

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Verlag: Klett Cotta/Psychosozial-Verlag

Erschienen im Januar 2004

Bestell-Nr.: 51237

Die Auffassung des Sozialpsychologen H. Welzer über das Recht von Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung, den Tätern zu vergeben und damit ihre Autonomie wiederzugewinnen, sowie seine abwertenden Äußerungen zur therapeutischen Bearbeitung psychischer Traumata (in Frankfurter Rundschau vom 13.06.2003) werden kritisiert. Im Zentrum der Argumentation stehen die von Welzer angeführten Begriffe des Vergessens und der Vergebung. Dabei wird insbesondere aufgezeigt, dass ein Vergessen bei schweren psychischen Traumatisierungen nicht möglich ist. Die im Kontext von Traumatisierungen ausgelösten intrapsychischen Prozesse (Wiederholungszwang, Traumatransmission auf die folgende Generation, Verinnerlichung von Täteranteilen, Gefühlserbschaften der Tätergeneration) werden beschrieben. Es wird betont, dass eine Umdeutung von Vergebung als einem individuellen Befreiungsschritt zu einem verallgemeinerbaren politischen Konzept durch konstruierte Forschungsbefunde zur Entlastung der Täter beiträgt, indem sie Konzepte der Selbstdeutung für die ganze Wahrheit nimmt und beträchtliche Bereiche der inneren und äußeren Realität einfach unterschlägt. Das Zugänglichmachen dieser mehrdimensionalen Unterschlagungen von Wirklichkeit wird als Aufgabe der analytischen Sozialpsychologie genannt. (c) Psyindex.de 2009 alle Rechte vorbehalten