Eberhard Th. Haas

Das Rätsel des Sündenbocks

Zur Entschlüsselung einer grundlegenden kulturellen Figur

Cover Das Rätsel des Sündenbocks

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Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse

Verlag: Psychosozial-Verlag

275 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im Juni 2009

ISBN-13: 978-3-8379-2001-7, Bestell-Nr.: 2001

»Haas erinnert facettenreich und eindringlich an die schlechte Nachricht, die Freud der Menschheit ins Stammbuch schrieb.«
International Journal of Psychoanalysis

Am Anfang von Kultur steht kein auf Vernunft gegründeter Gesellschaftsvertrag, sondern Gewalt. Diese kann sich jedoch transformieren und Schöpferisches hervorbringen. Im Zentrum des Buches steht eine tragische Figur, der Sündenbock, der in paradoxer Weise zum Friedensstifter und Heilsbringer erhoben werden kann. So schaffen sich Kulturen ihr Wertvollstes: Kunst, Ritual, Religion und Moral.

Der Autor führt Freuds in Totem und Tabu unternommene und immer noch kontrovers diskutierte Synthese fort, verbindet sie mit neueren kulturtheoretischen Ansätzen und integriert die kulturstiftende Arbeit der Trauer. Zu den Gewaltverhängnissen der Menschen und deren Transformation scheint es keinen anderen Zugang zu geben.

Inhaltsverzeichnis

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Inhalt

Vorwort

Zehn Anmerkungen zum Sündenbock-Code - statt einer Einleitung

I. Teil: Zur Begründung des Opfer-Sündenbock-Mechanismus

1. Sigmund Freuds Ansichten zur Kultur enthalten eine Theorie des Sündenbocks

2. Einführung in die Opfertheorie Rene Girards

Rene Girard

Gründungsgewalt: Die Funktion der Opferung in den archaischen Gesellschaften

Der Ödipusmythos und die jüdische Tradition

Das Opfer in der christlichen Tradition

Das verhinderte Kindesopfer

Nachschrift

3. Freuds Auffassung der Religion: Zwang - Illusion - Wahrheit

Religion als universelle Zwangsneurose

Religion als Illusion

Die Wahrheit der Religion

4. Epochenwechsel
Trauerarbeit - nachholende Trauer - melancholische Arbeit

Die normale Trauer

Therapie der nachholenden Trauer

Melancholische Arbeit

Albrecht Dürers Melencolia I

II. Teil: Neurosentheorie und Sündenbock

5. Opferritual und Ursprung der Neurosen
Versuch einer Wiederannäherung

Wege und Irrwege

Was gilt heute als Kernkomplex der Neurosen?

Krise, Sündenbocksuche und Divinisierung

Die Behälterfunktion des Rituals

Grenzfälle

Negative und positive Riten, Struktur und Antistruktur

Traumatische Neurose, Wiederholungszwang und kindliches Spiel

Zwangsneurose als Tabukrankheit

Phobie und Angsthysterie

Perversion

Trauerkrankheit, Manie und Sucht

Transzendenzverlust

6. Die Abwehrmechanismen und das janusköpfige Heilige

Das Ungeschehenmachen - eine motorische Technik der Abwehr

Janusköpfiges Tabu - Verkehrung ins Gegenteil

Spaltung

Reaktionsbildung

Was hat Gott mit der Reaktionsbildung zu tun?

Projektive Identifizierung und Sündenbock

Die Verkennungen und das Wissen des Religiösen

III. Teil: Psychoanalytische Falldarstellungen

7. Psychotische Arbeit I
Das Erlöserkind. Die ersten zehn Jahre aus der Analyse einer psychotischen Patientin

- Die ersten vier Jahre: Ein Gott wird zur Welt kommen

Kann ich meinen Wahrnehmungen noch trauen?

GottTeufel

Das psychotische Introjekt taucht auf

Liebe und Geburt

Psychotischer Zusammenbruch und Passion

Einige theoretische Überlegungen und Orientierungen

- Die Jahre fünf bis zehn: Kopernikanische Wende

Warum darf ich mich nicht entwickeln?

Die ausgestanzte Brust

Ödipuskomplex und Gedanken über das Elternpaar

Gibt es auch eine Rehabilitierung als Frau?

Verliebtheit, Symbolisierung und psychotischer Zusammenbruch - eine Diskussion

Weitere theoretische Überlegungen zur psychotischen Arbeit

8. Psychotische Arbeit II
Ich bin schon als Säugling missbraucht worden

Traumatischer Lebensanfang

Ich wünsche mir einen Therapeuten mit Humor

Verrücktmachende Situationen

Psychotischer Zusammenbruch

Ich bin schon als Säugling missbraucht worden

Ich bestehe fast nur noch aus Flüssigkeit

Konsolidierung

Epikrise und weitere theoretische Überlegungen

9. Olgas Trinksucht
Analyse eines zweijährigen Mädchens mit einem entlehnten melancholischen Introjekt

Olgas früheste Kindheit oder das Eindringen des melancholischen Introjekts

Olgas Therapie in Anwesenheit ihrer Mutter

Epikrise

IV. Teil: Kulturarbeit

10. Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehöret ...
Zur Psychoarchäologie des Kindesopfers

Die Angst der Herrscher vor der nächsten Generation

Iphigenie

Kindesopfer in Stifters Bergkristall

Opfertänze: Le Sacre du printemps

Simon Rattle und das Frühlingsopfer

Viktimisierungen und andere subtilere oder gröbere Sündenbock-Phänomene

Thomas Demands Klause-Projekt

11. Psychoanalyse des Fegefeuers
Zur Kulturgeschichte christlicher Trauerrituale

Perpetua

Augustinus

Das Fegefeuer bei Dante

Vom Wahrheitsgehalt des Projizierten

Orpheustraditionen

Fegefeuer und Psychoanalyse

Trauer oder Fegefeuer zwischen Himmel und Hölle

Das Fegefeuer in der Neuzeit: Luther - Dostojewskij

12. Die Dämonen Dostojewskijs
Zur Ritualdynamik des politischen Terrors

Soziale Zersetzungsprozesse

Das Prophetische an den Dämonen

Väter und Söhne

Besy

Die neuen Ideen - Deregulation der Familie

Die Idiotin - die Umwertung aller Werte

Stawrogin - die »schwarze Sonne«

Schatow oder das Gottträgervolk – vox populi, vox dei

Kirillow - durch Selbstmord Gott werden

Schigaljow - der Realist des sozialen Paradieses

Pjotr Werchowenskij - Zeremonienmeister des ältesten Hauptsatzes

Karnevaleske Festvorbereitung

Das Fest, das schlecht endet

Das Opfer, das nichts mehr versöhnt

Der Romanschluss und die Banalität des Bösen

Bibliografische Anmerkungen

Literatur

Rezensionen

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www.literaturkritik.de

Rezension von Laslo Scholtze

»Wir leben in einer Welt, in der kaum jemand den Versuch macht, auf Gegengewalt zu verzichten. Das ›Auge um Auge‹ ist vorherrschend. Das Gebot der Feindesliebe scheint eine Zumutung, aber so wie die Dinge in einer mit Vernichtungswaffen hochgerüsteten Welt stehen, plagt es uns mit seiner Unerfüllbarkeit ebenso wie mit seiner Dringlichkeit…« [mehr]

www.litretaurkritik.de

Rezension von Laslo Scholtze

»In ›Das Rätsel des Sündenbocks‹ gibt Haas eine Einführung in die Opfertheorie René Girards, verbindet diese mit Freuds Auffassungen der Religion und beschreibt, wie Reste des archaisch-rituellen Erbes in uns fortwirken…« [mehr]

www.amazon.de

Rezension von Dr. Bernd Seestaedt

»Allen sozialwissenschaftlich Lehrenden oder im History-Bereich (sei es als Fantasy-Fan) Interessierten sei das Buch empfohlen…« [mehr]

Jahrbuch der Deutschen Dostojewskij-Gesellschaft 16, 2009

Rezension von Gudrun Goes

»Hier wird deutlich, wie der Psychoanalytiker beispielhaft mit Literatur arbeitet, um uns zu zeigen, dass seine Schriftsteller auch die großen Psychologen waren…« [mehr]

AOL-Bücherbrief, November 2009

»Am Anfang von Kultur steht kein auf Vernunft gegründeter Gesellschaftsvertrag, sondern Gewalt…« [mehr]

treff.punkt a.punkt Herbst 2009

»Am Anfang von Kultur steht kein auf Vernunft gegründeter Gesellschaftsvertrag, sondern Gewalt…« [mehr]