Reinhard Stähling, Barbara Wenders

Worin unsere Stärke besteht

Eine inklusive Modellschule im sozialen Brennpunkt

Cover Worin unsere Stärke besteht

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Buchreihe: Dialektik der Be-Hinderung

Verlag: Psychosozial-Verlag

519 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im Dezember 2021

ISBN-13: 978-3-8379-3122-8, Bestell-Nr.: 3122

DOI: https://doi.org/10.30820/9783837977868

Mit einem Vorwort von und einem Interview mit Georg Feuser

Trotz aller Bemühungen um Teilhabe ist die schulische Realität immer noch stark dominiert von Benachteiligung und Ausgrenzung. Insbesondere bei Kindern mit Armutserfahrung und Migrationsvorgeschichte geraten häufig eigene Stärken und die Lernmotivation aus dem Blickfeld. Wie die individuellen Potenziale und der Gemeinsinn der Schüler*innen aktiviert werden können und vermeintlich »anregungsarme« Schulen im sozialen Brennpunkt zu Orten gelebter Vielfalt werden, zeigen Reinhard Stähling und Barbara Wenders.

In enger Verzahnung von Theorie und Erfahrungen aus der schulischen Praxis skizzieren sie ihre Vision einer solidarischen Schule für alle. Klasseneigene Pädagog*innenteams, verlässliche und sorgende Strukturen in Klassengemeinschaften (gerade in Zeiten der Corona-Pandemie), die freie Arbeit und die Kooperation im Zuge gemeinsamer und selbst gewählter Themen sind dabei einige von vielen Elementen einer gesellschaftskritischen Schulpädagogik im sozialen Brennpunkt. Anknüpfend an Paulo Freires Ideen einer »Pädagogik der Unterdrückten« belegt die Arbeit der Autor*innen die ungebrochene Aktualität des brasilianischen Lehrers und seines Ansatzes für den gegenwärtigen Schulalltag.

Inhaltsverzeichnis

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Vorwort
Georg Feuser

Die Solidarität der Kinder untereinander und die professionelle Solidarität der Pädagog*innen
Einleitung und Dank

Sozialer Brennpunkt
Die »natürliche« Solidarität der Kinder – worin unsere Stärke besteht
Professionelle Solidarität der Pädagog*innen und die Geschichte unserer Schule im Brennpunkt
Erfolge unserer Schüler*innen
Which side are you on?
Aufbau und Sprache des Buches
Dank


Teil I
Erfahrungen mit der Stärke der Kinder


1 Die Schule Berg Fidel im sozialen Brennpunkt und der solidarische Kampf
Die Perspektive einer Sonderpädagogin in einer Siedlung mit geflüchteten Familien

2 Gelebte Praxis in der PRIMUS-Schule Berg Fidel-Geist (Jahrgänge 1 bis 10)


2.1 Ein Schultag – Die Gruppe stärkt sich selbst
2.1.1 Ein Beispieltag
2.1.2 Almedina verweigert die Schule
2.1.3 Altersmischung
2.2 »Freier Forscher Club« und »Herausforderungen«
2.2.1 Zur Geschichte des Freien Forschens
2.2.2 »Freier Forscher Club« (FFC) – eine besondere Lernorganisation
2.2.3 Herausforderungen – Arbeit an den Grenzen der Komfortzonen
2.3 Freie Arbeit
2.3.1 Begrüßungsraum
2.3.2 Arbeitsraum
2.3.3 Lern-Klassenrat
2.4 Klassenrat
2.4.1 Klassenrat zur Problemlösung in der Gemeinschaft
2.4.2 Der Klassenrat aus historischer Perspektive
2.4.3 Gewissensbildung im Klassenrat
2.5 Freies Schreiben
2.5.1 Sprachliche Barrieren durch »Bildungssprache«
2.5.2 »Die natürliche Erziehungsmethode« von Célestin Freinet und die Alphabetisierung von Paulo Freire: Lernen in solidarischen Gemeinschaften
2.5.3 »Kunst als Erfahrung« (Dewey)
2.5.4 Freies Schreiben – Die Schriftstellerstunde
2.5.5 Vom Freien Schreiben zur Rechtschreibung und »Lesen durch Schreiben«
2.5.6 Klassengemeinschaft als Produktionsgemeinschaft
2.6 Entlastung der Pädagog*innen in der Brennpunktschule

3 Corona – aus der Krise eine Chance machen!
Die »feinen Unterschiede« werden sichtbar
3.1 Königswasser zeigt, was wirklich Gold ist
3.2 »Weil wir sowieso nicht anders können« – Strategien einer Schule im Brennpunkt
3.2.1 Elternabend
3.2.2 Fern- oder »Distanzunterricht«
3.2.3 Neue pädagogische Ausrichtung: Stärkung der klasseneigenen Teams und Nutzung von Angeboten für Klassen
3.2.4 Situation des digitalen Lernens
3.3 Gesundheit hat Priorität – Ungehorsam im Schuldienst

4 Lernen in der solidarischen Klassengemeinschaft
Theorie für die Praxis
4.1 Expansiv-weltaufschließendes Lernen
4.2 Befreiung von verletzenden Lernorganisationen – und die »natürliche Solidarität« der Kinder benachteiligter Familien
4.3 Kommunikationsbasiertes Kooperatives Lernen am Gemeinsamen Gegenstand (Feuser)
4.3.1 Die »natürliche Solidarität« der Lernenden und die professionelle Solidarität der Pädagog*innen
4.3.2 Mehrperspektivität
4.3.3 »Individualisierung« und »Kooperation am Gemeinsamen Gegenstand«
4.4 Die »Zone der nächsten Entwicklung« (Vygotskij)


Teil II
Fakten und Antworten des Schulsystems
zu Fragen des sozialen Brennpunktes


5 »Die im Dunkeln sieht man nicht!«
Das System der Nicht-Solidarität für den sozialen Brennpunkt heute
5.1 Fakten zu sozialer Herkunft und zur »Lähmung des Bildungswillens«
5.1.1 Risikolage in Familien
5.1.2 Schulabschluss
5.1.3 Berufsbildung
5.1.4 Schulische Reaktionen
5.2 Ein Verschiebebahnhof für Schüler*innen mit sonderpädagogischem Bedarf
5.3 Ungerechte Verteilung des Personals

6 »Die feinen Unterschiede« (Bourdieu)
Soziale Ungleichheit und Schule
6.1 Kinder aus benachteiligten Verhältnissen in der Schule – Beobachtungen
6.2 »Die feinen Unterschiede« und die Schule: Soziologische Bestandsaufnahme
6.2.1 Ungleiche Unterstützung der Schüler*innen
6.2.2 Ungleiche Zugänge zur Sprache und Kultur
6.2.3 Ungleichheit im Schulsystem
6.2.4 Verschleierung und Stabilisierung der Ungleichheit durch formale Gleichheit
6.2.5 Unterlassene Unterstützung der Benachteiligten durch ineffiziente Pädagogik

7 »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern – sing nicht ihre Lieder«
Die Idee der »guten Mischung«
7.1 Historischer Rückblick auf die Legitimation schulischer Ausgrenzung und der »guten Mischung«
7.1.1 Deutschland und die .gute Mischung. in der Schule
7.1.2 Perspektive aus anderen Ländern: Pädagogik zwischen Segregation, Zwangsmischung und Schulen für kulturelle und ethnische Minderheiten
7.2 Die Idee der »guten Mischung« heute in Deutschland
7.2.1 Eine unübersichtliche Schulstruktur verschleiert die Aussonderung
7.2.2 Aussonderungen in Gesamtschulsystemen
7.2.3 Wie arbeiten Lehrpersonen mit stark heterogenen Klassen?
7.2.4 Die »gute Mischung« als vermeintliche Lösung
7.3 Wohnortnähe oder »gute Mischung«?
7.4 Fazit

8 »Hier gehören wir doch nicht hin!«
Die Idee des »anregungsarmen« Milieus
8.1 Das Paradigma (Schulleistungen entwickeln sich in Abhängigkeit von der Schulform) und seine Folgen für Menschen und Schule im Brennpunkt
8.2 Kritik des Paradigmas vom »anregungsarmen« Milieu in Brennpunktschulen
8.2.1 Schüler*innen entwickeln sich dank ihrer Unterstützer*innen
8.2.2 Schüler entwickeln sich entsprechend ihrer Möglichkeiten (Vygotskij)
8.2.3 Schüler*innen entwickeln sich durch den Unterricht (Vygotskij)
8.2.4 Eltern wählen Schulformen entsprechend der Lebensbelastung und der Leistungsfähigkeit ihrer Kinder
8.2.5 Schüler*innen entwickeln sich auf einem Gymnasium nicht besser als im Kontext einer anderen Schulform
8.3 Kolonialität der Erkenntnis
8.3.1 Erkenntnistheoretischer Ungehorsam
8.3.2 Problembelastete Schüler*innen brauchen eine dekolonialisierte, solidarische Schulpädagogik

9 »Worin unsere Stärke besteht«
Die solidarische Schule
9.1 Gegen die »kulturelle Invasion« (Paulo Freire)
9.2 Welchen Beitrag leisten Reformschulen für benachteiligte Kinder?
9.3 Die Klassengemeinschaft als Halt für die Kinder und Zentrum der Arbeit
9.4 Unsolidarische versus solidarische Schule


Teil III
Reflexionen


10 Zum Versuch eines bildungspolitischen Systemwandels im Zusammenhang mit der Entwicklung der »Integration« (heute: »Inklusion«) in Bremen zu Beginn der 1980er Jahre
Georg Feuser im Gespräch mit Reinhard Stähling und Barbara Wenders

Quellen

Rezensionen

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www.litterula.de, Januar 2022

Rezension von Ulrike Schmoller

»Sie entkräften das Vorurteil, dass nur mit einer ›guten Mischung‹ und einer möglichst homogenen Lerngruppe, die sich nur durch Abschiebung das ›harten Kerns‹ in Sonderschulen gewährleisten lässt, Unterricht möglich ist. Die Schwächen unseres mehrfach gegliederten Schulsystems werden samt ihrer historischen und politischen Einordnung deutlich benannt und ihnen die Pädagogik der Befreiung nach Paolo Freire entgegen gestellt. Wie das Recht auf Teilhabe, das in der UN-Konvention festgeschrieben ist, offensichtlich und subtil verhindert wird und was getan werden müsste, damit sich die Struktur unseres Schulsystems grundlegend wandeln kann, zeigt auch ein Interview mit Georg Feuser über die Entwicklung der Inklusion in Bremen. Eine Ausrede, warum die wohnortnahe Inklusion Aller nicht funktioniert, kann es nach diesem Buch nicht mehr geben. (...) Ein wichtiges Buch für alle, denen die konsequente Umsetzung der Inklusion am Herzen liegt und ein Plädoyer für die Heterogenität…«

Gegenblende. Debattenmagazin der DGB an 5. Januar 2022

Rezension von Thomas Gesterkamp

»Kinder aus benachteiligten Familien hatten es in der Corona-Pandemie besonders schwer. Wie können Schulen in städtischen Brennpunkten dazu beitragen, Bildungsrückstände aufzuholen und die Stärken der Lernenden zu aktivieren? Ein Gespräch mit Reinhard Stähling und Barbara Wenders, die dazu ein neues Buch veröffentlicht haben…« [mehr]

der Freitag, Ausgabe 49/2021

»Wie ›Brennpunktschulen‹ gestärkt werden können, verrät der Schulleiter und Autor Reinhard Stähling unter dem Titel ›Macht die Kinder zu Geschwistern‹…« [mehr]

bildungsklick.de am 10. Dezember 2021

Rezension von Brigitte Schumann

»Aus der Verbindung ihrer schulischen Praxis im sozialen Brennpunkt mit kritischen pädagogischen Theorien haben zwei erfahrene Pädagog*innen die Konzeption einer solidarischen Schule für alle entworfen. Sie widerlegen das defizitäre Bild von der anregungsarmen ›Brennpunktschule‹…« [mehr]