Eberhard Th. Haas

… und Freud hat doch recht.

Die Entstehung der Kultur durch Transformation der Gewalt

Cover … und Freud hat doch recht.

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Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse

Verlag: Psychosozial-Verlag

407 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im November 2002

ISBN-13: 978-3-8980-6169-8, Bestell-Nr.: 169

Die Zeitspanne zwischen der Formulierung einer Theorie und ihrer Akzeptanz ist um so größer, je mehr sie an weltanschaulicher Korrektur abverlangt. Rund 80 Jahre vergingen, bis Darwins Evolutionstheorie »Recht« bekam. Freuds großer kulturtheoretischer Entwurf wartet 90 Jahre nach »Totem und Tabu« nach wie vor auf eine Wiederaneignung. Sein kühner Vorstoß in den Bereich dessen, was Gesellschaften im Innersten zusammenhält, ist auch unter Psychoanalytikern zumeist auf Ablehnung gestoßen. Sie entfremdeten sich dem Text und lasen ihn schließlich nur noch als exotischen Tagtraum, den es hinsichtlich der Konflikte und Traumatisierungen seines Autors zu dechiffrieren galt.
Um so bemerkenswerter ist, dass »Totem und Tabu« von anderen Humanwissenschaften aufgegriffen wurde. Manche Theorielinien – etwa die Verbindung zu Ritual- und Opfertheorien – gewannen dadurch an Prägnanz.
Das Ärgernis besteht dennoch nach wie vor darin, dass kulturelle Entwicklungen sich nach Freuds kultureller Synthese Akten der Gewalt verdanken, wenn auch einer Gewalt, die sich zu transformieren vermag.
Über Transformationsvorgänge ist in der Psychoanalyse der letzten Jahrzehnte viel geschrieben worden.
Die in diesem Buch enthaltenen Arbeiten versuchen »Totem und Tabu« zu rekonstruieren und Entwicklungen außerhalb der Psychoanalyse mit denen im Binnenraum zu verbinden.
In einer Zeit, in der die biologische Wissenschaft sich anschickt, die Conditio humana zu reformieren, ist eine Rückbesinnung auf die kulturelle Dimension des Menschen mit ihren ganz andersartigen Gesetzmäßigkeiten unverzichtbar.




Inhaltsverzeichnis

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Inhalt

Einleitung

1. Das Drama von Verstoßung und Kultur: Erste Orientierungen
2. Psychoanalyse und Ritualtheorien
3. Grundsteinlegung – Bauopfer: Der Mensch, der opfert


Ödipuskomplex

4. Opferritual und Behälter
Versuch der Rekonstruktion von Totem und Tabu:
Weitere Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker

5. Kinderschändung: Dramatisieren der Krise
Zeitgemäße Betrachtungen zu einem alten Thema

6. Ödipuskomplex und Ödipusfabel: Lebenstatsachen bei Sophokles

Trauer
7. Orpheus und Eurydike
Vom Ursprungsmythos des Trauerprozesses

8. Theodora R. – Kasuistische Mitteilung zum Thema
Brückenobjekt, pathologische Trauer und Katharsis

9. Gedenken und Erinnern

10. Rituale des Abschieds: Anthropologische und psychoanalytische Aspekte der Trauerarbeit


Religion
11. Auferstehung: Das Osterereignis und die Arbeit der Trauer

12. Kultur-Über-Ich und die Gedenkreligion des Holocaust

13. Tabu – Über-Ich – Kultur-Über-Ich
Mit Anmerkungen zu Der Mann Moses und die monotheistische Religion


Kunst
14. Brückenobjekte und Brückenrituale in Joseph Conrads Novelle The End of the Tether

15. Armierte Trauer: Camus’ Der Fremde – Fremdenhaß

16. Romeo und Julia von William Shakespeare

17. Ritual und Kunst: Einige Überlegungen zu Joseph Beuys’ erweitertem Kunstbegriff

18. Gewalt – Trauer – Kultur: Der Streit des Ackermann mit dem Tod und andere Duelle

Rezensionen

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Christ in der Gegenwart

Rezension von Dr. Gotthard Fuchs

»Leistung lässt sich durch Medikamente ›pushen‹. Darüber entbrannte soeben wieder eine heftige Debatte. Wir erleben gerade eine ›Versüchtelung der Gesellschaft‹ wie der Psychotherapeut Eberhard T. Haas feststellt…« [mehr]

The International Journal of Psychoanalysis 87 (2006)

Rezension von Martin Teising

»This book can be used as a reader, in which reading individual chapters constantly clarifies points that remain obscure from previous readings. The reader participates in a creative process that could thus contribute to explaining fundamental issues for a number of years. The author himself indicates in the preface the problematic nature of this compilation and the unavoidable repetitions. Alongside the abovementioned points, there is also some further need for elucidation of the concept of the catastrophic, which in these texts mostly refers to death and separation but also to trauma and other matters simultaneously. However, the thought-provoking arguments put forward here require and deserve to be addressed and seriously discussed…« [mehr]